Whatawhata to Kaniwahniwha

Am Morgen bin ich bei Zeiten wach gewesen und hab alles gepackt sodass ich auch vor der Öffnungszeit des Cafés startklar war. Für die kostenlose Übernachtung wollte ich wenigstens einen Kaffee trinken. Dann gab es da aber etwas namens Aranchini, das kannte ich noch nicht. Da meine Mittagsessensoptionen etwa langweilig sind, dachte ich, ein zweites Frühstück ist bestimmt nicht verkehrt. Es ist ein wahrscheinlich frittiertes Reisbällchen mit Kürbis und Parmesan. Sehr lecker, aber auch sehr mächtig für ein zweites Frühstück, das wäre eher etwas für den Mittag gewesen.
Es ging dann erstmal über etwas Straße zu einem Fluss, dort habe ich meine ersten Maisfelder in NZ auf dieser Reise entdeckt. Danach ging es wieder etwas die Berge hoch auf Farmland mit Schafen, also so Auenlandoptik mit ein paar Felsen dazwischen. Sehr hübsch und auch eine tolle Aussicht ins Umland. Da bin ich dann auf einer Weide auch mal schon an einem Trailmarker vorbei gelaufen. Auf dem Rückweg habe ich dann Kathi und ihren Begleiter gesehen. Mit den ganzen Namen komme ich inzwischen durcheinander. Die haben mich dann bei meiner Mittagspause überholt, ich sie dann wieder bei ihrer… Einen kleinen Anstieg später bin ich dann Eike über den Weg gelaufen. Ihn hatten wir in Kaitaia zum ersten Mal getroffen als wir beim Einkaufen für die erste Etappe waren. Da kam er gerade vom Ninty Mile beach zurück. Er war es auch, den ich nach dem Uretiti Beach morgens vor mir gesehen habe. Er ist dann aber per Anhalter weiter gefahren und hatte mich dort nicht gleich wiedererkannt. Wir sind dann ein Weilchen zusammen gelaufen, haben an einer Straße die Abzweigung falsch gedeutet und sind zwei Kilometer in die falsche Richtung gelaufen und dann wieder zurück..
Kurz vor der Campsite musste ich noch eine Toi Pause einlegen und er ist schon mal weiter. Da kam dann noch eine Gruppe Mädels auf Mountain Bikes an mir vorbei, die haben im vorbeifahren gefragt „where are you from?“. Als sie sich dann zugerufen hatten „another german!“ wusste ich, sie sind anderen aus der Gruppe begegnet.
Auf der Campsite waren dann auffällig viele gleiche Zelte nah beieinander aufgebaut und kurz darauf kam die Gruppe auch auf die Campsite. Da stand mein Zelt schon und die Gruppe war an der Feuerstelle mit eine paar Bänken versammelt. Auf der anderen Seite vielleicht 100m weg hinter den Toiletten hatte ich Kathi gesehen, die plötzlich auf die Gruppe zugerannt ist, weil sie am nächsten von ihr zu erreichen waren und hatte denen irgendwas zugerufen. Einer der Begleiter hat dann seinen Kollegen gerufen und Kathi entgegengerufen „He is a paramedic“ dann sind sie verschwunden bevor irgendjemand richtig verstanden hatte was los ist. Die beiden Betreuer haben den Mädels noch zugerufen „stay here“. Das haben sie witzigerweise auch ganz brav gemacht, an Ort und Stelle. Ich habe dann einige Zeit später von den Mädels nur gehört, dass eine meinte, sie müsste mal auf Toilette, die in Sichtweite war, aber sie wolle nicht gehen, weil sie ja bleiben sollten wo sie waren.
Ich bin dann nochmal zu dem kleinen Fluss hinter der Campsite um ein kurzes Bad zu nehmen und den Schweiß abzuwaschen.
Als ich zurück war hat sich herausgestellt, dass am Berg gegenüber ein Traktor abgestürzt ist, der sich wohl vier oder fünf Mal überschlagen hat. Wie sich später herausgestellt hat, ist das genau passiert als Kathi ihr Zelt aufbauen wollte und sie hat es gesehen. Das beste daran ist, dass Kathi Ärztin ist und in der Notaufnahme arbeitet und dann noch zufällig ein Sanitäter mit Auto vor Ort war. Zu dem Traktor wäre man bestimmt 10 bis 15 min gelaufen. Vom Auto aus haben sie dann einen Notruf abgesetzt, aber vor Ort gab es wohl keinen Empfang, also auch schwierig der Leitstelle die genaue Lage zu beschreiben. Wir haben dann später nur noch den Rettungswagen und die Feuerwehr gesehen. Und eine gefühlte Ewigkeit, für deutsche Verhältnisse, später kam auch ein Heli. Nachdem sie die Patientin verladen hatten kam Kathi irgendwann zurück und wir habe uns das ganze im Schatten sitzend aus der Ferne angeschaut. Kathi hat berichtet, dass das Mädel wohl auf der richtigen Seite aus dem Traktor geschleudert wurde, sodass sie nicht überrollt wurde und auch nicht mehr in der platten Kabine war. Trotzdem hatte sie mehrere Brüche und war nicht bei Bewusstsein als sie eintraf und sie hatte über Schmerzen an der Wirbelsäule geklagt.
Der Sanitäter hatte dann noch gesagt bei Wirbelsäulenverletzungen geht es nördlich von Taupo nach Auckland und südlich davon nach Christchurch. Im nahen Hamilton wurde zwar auch vieles gehen aber für Wirbelsäulenverletzungen gibt es in NZ nur zwei Optionen. Spannend was man so alles lernt. Kathi ist sich dann auch im Fluss das Blut von Armen und Beinen waschen gegangen.
Zwischendurch hatten sich dann doch ein paar Mädels der Gruppe getraut auf Toilette zu gehen, sind dann aber brav zu den anderen zurück und haben aufgeregt berichtet was sie gesehen hatten. Nur bei den Toiletten hätte man freie Sicht auf den anderen Berg, vom Rest der Campsite nicht.
Ich hatte dann einen der Betreuer mal gefragt als wir beim Abendessen zubereiten auf den Bänken an der Feuerstelle saßen, was sie denn für eine Gruppe sind. Es gibt im Commonwealth etwas, das sich Duke of Edinburgh’s Award nennt. Dafür müssen die Kinder verschiedene Aufgabe durchlaufen, eine davon halt als physische Herausforderung. Sie mussten in der Woche, die sie dort waren halt zelten, wandern, radfahren und so Sachen. Dabei müssen sie aber ihre Wanderung selber planen und durchführen, natürlich in Begleitung.
Schön zu sehen war dann, dass die Mädels um die 15 noch nie Marsh Mellows über einem Feuer zubereitet hatten, nur auf dem heimischen Grill. Ich habe den Betreuer mal darauf angesprochen und er meinte, dass sei eine Gruppe von einer etwas besseren Schule in Auckland, die wohl sehr behütet, wie er es nannte, aufgewachsen sind.
Am späten Nachmittag hat sich dann beim Kochen noch ein Mann dazu gesellt, ein Kiwi aus Rotorua. Er wollte mal mit ein paar TA Hikern schnacken um ein paar Tipps für die Vorbereitung zu bekommen, weil er in zwei Jahren, wenn er in Rente geht, auch den TA laufen will. Er hat dann aus seinem Rucksack einen Zwölferpack kaltes Bier geholt, ein bisschen Trail Magic hilft schon um Tipps zu bekommen.
Es war dann noch ein entspannter Abend mit Gesprächen. Die Betreuer haben dafür gesorgt, dass es kurz nach Sonnenuntergang auch bei der Jugendgruppe ziemlich ruhig war.
Abends war noch nicht klar, wer welches Stück am nächsten Tag gehen wollte, es gibt den kurzen Aufstieg 8km bis zur nächsten Hütte auf dem Berg oder 24km über den Berg bis zum nächsten Trail Angel. Oder eine lange Route auf den Berg, damit man sich nicht wegen nur 8km am Tag schlecht fühlt. Ich war noch unentschlossen, aber ich habe nicht mehr so viel gutes Mittagessen und würde gerne was an Nachschub kaufen und nicht nur zwei Mahlzeiten Haferflocken essen.


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