Heute ging es auf dem nicht ganz so gut gepflegten Whananaki Holiday Park los. Ich war recht früh wach, bin auch ganz gut in den Morgen gestartet und bin als Erster von Dreien gegen acht gestartet. Es ging über eine süße Fußgängerbrücke über einen Meeresarm auf die andere Seite und dann durch das Watt bis zu einem Weg zum Strand. Von da aus ging es dann weiter auf den Whananaki Cosstal Walkway, einem Weg, meistens wie ein Feldweg in Deutschland ausgebaut, hier aber ein Privatweg ist, den man benutzen darf. Er bietet schöne Blicke auf die kleinen Buchten, die meistens nicht zugänglich sind, weil das Land auf dem Weg dahin irgendjemandem gehört. Eher wohl eine Ferienhausregion. Am Ende des Weges kam dann eine Straße bis zur Bucht hinunter, an der viele Sonntagsausflügler unterwegs waren. Samstags und sonntags sieht man viele Autos mit Boottrailern.
Von der Bucht ging es landeinwärts eine Umleitung über Straßen entlang. Nach ein paar hundert Metern kam mir Christina entgegen und ich dachte mir, wie zum Geier kommt die hier her. Wegen ihrer Knieprobleme ist sie per Anhalter die Straßenstücke gefahren, OK. Ihr hat ein Mann dann erklärt, dass der Trail gesperrt sei. Was? So ein Ärgernis, aber mit spontanen Planänderungen kenne ich mich ja jetzt aus. Also schnell eine andere Route rausgesucht. Christina wollte weiter per Anhalter fahren. Ich wollte lieber laufen, auch wenn mir die Blase an der rechten Ferse von gestern etwas Probleme macht. Auf dem Weg zurück kam mir dann noch Channel über den Weg gelaufen. Sie ist dann in die andere Richtung abgedüst, ich nenne sie nur noch Roadrunner. Nach dem ersten Hügel in der zweiten Bucht gab es einen schönen Campervan Stellplatz und öffentliche Toiletten. Die Chance wollte ich nutzen bevor es an der Straße mit Häusern nur noch Vorgärten gibt.
Davor stand ein Mädel mit Rucksack, Stöcken und Hut. Sie schaute mich an und fragte: ’northbound or southbound‘, als ich gerade meinen Rucksack abstellte. SoBo, die Antwort. Wir haben dann ein wenig Trail Infos ausgetauscht, denn sie kam von da, wo ich heute übernachte. Ich habe dann ihr Armband „Rocken am Brocken“ bemerkt und auch der Rest ihrer Ausrüstung war eher europäisch geprägt. Ich habe dann mal die Sprache gewechselt, das ging schneller. Sie meinte, das Stück Straße, was ich vor hatte zu laufen, sei zu gefährlich und es werde davon abgeraten, das zu laufen. Wir haben dann noch über den gesperrten Trail gesprochen. James vom nächsten Camp hat ihr erklärt, dass es einen alten Trail gebe, den ich auch in der Karte gesehen habe, und die neue Variante. Der Alte ist wegen 400m Wegs, der über ein Grundstück geht, das den Besitzer gewechselt hat, gesperrten. Die neue Variante sollte aber passierbar sein. Da hat der Mann, der Christina das erzählt hat, wegen der neuen Route nicht Bescheid gewusst oder Christina hat es nicht richtig verstanden. Egal, Channel war auch schon wieder auf dem Rückweg, hat aber nur irgendwas gerufen, sie war zu schnell wieder weg. Also, Toilette benutzen und zurück…war ja nicht so weit. Dann kam der harte Teil des Tages, bei recht schwül warmem Wetter ein paar steile Anstiege meistern. Ich habe für die 30km an dem Tag auch alle meine 3 Liter Wasser gebraucht. Ich hatte morgens auch schon einen drei Viertel Liter getrunken.
Ich bin dann doch bei Zeiten in Ngururu angekommen. Im kleinen Lädchen im Ort gab es Unmengen an Alkohol zur Auswahl aber kein Gemüse mehr, mit Ausnahme von ein paar steinharten Avocados. Egal, ich wollte irgendetwas kaufen, das verderblich ist und/oder Vitamine enthalten könnte. Ich habe dann noch ein bisschen Müsli und Zeug für die nächsten Tage gekauft. Wenn alles klappt, muss ich nur zweimal oder dreimal schlafen bis ich am nächsten Supermarkt bin.
Ich bin dann weiter Richtung Bootsanleger, weil ich gehofft hatte, die anderen irgendwo zu erspähen. Da ich James keine Nachrichten schicken kann, ich verstehe nicht wieso, bin ich heute auf sie angewiesen. Nach Plan kann ab 16:30 Uhr übergesetzt werden, dann ist das Wasser tief genug. Das war noch über eine Stunde hin, also bin ich dann zu dem Anleger gelaufen und habe da erstmal versucht, meine linke Wade funktionstüchtig zu bekommen. Die hat heute den Schmerz der Blase rechts kompensiert und fühlt sich etwas überlastet an. Eine kleinen Kneipkur und vorher dehnen ist schonmal nicht verkehrt. Kurz vor halb vier kamen die drei Mädels angewackelt, sie waren wohl im Café. Das war der einzige der drei Läden, in den ich keinen Blick geworfen habe.
James kam dann mit seinem Boot zum Abholen, immer nur zwei auf einmal. Auf der anderen Uferseite hat er uns bei einem echt gut gepflegten Grundstück abgesetzt, wir sollten dem Schild „Camp“ folgen und uns wie Zuhause fühlen. Ein richtig gemütliches Plätzchen, es wirkt etwas zusammen gewürfelt, alt aber gut gepflegt. Er hat eine ca zwei Meter hohe Karte vom nächsten Abschnitt gemalt mit ganz vielen Informationszetteln darauf. Super cool, wir haben dann eine Einweisung bekommen, was wie zu laufen ist, bei welchen seiner Nachbarn man aufpassen muss, wie man die Flüsse überquert, wann man wo sein muss damit es mit der Flut klappt, wo man überall übernachten kann und wie weit zu laufen ist und ganz wichtig wie man sich auf Maoriland zu verhalten hat.
Das ganze Haus besteht aus Baumaterial, das wiederverwendet wurde. Er hat erzählt, dass er eine alte Kirche und eine alte Schule gekauft, alles gereinigt und zerlegt und dann daraus das Camp gebaut hat. Einiges ist wohl schon ca 120 Jahre alt, was er hier verbaut hat. Ziemlich cool.
Er hat uns noch etwas frisches Gemüse aus dem Garten fürs Abendessen gebracht und uns auf einen Gin Tonic eingeladen.
Das Angebot haben wir dann auch angenommen, es wurden dann zwei und es wurde für meine Verhältnisse hier spät..

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