Der Morgen in der Sheep world war doch stark verregnet. Es gibt nicht den richtigen Zeitpunkt aus dem Zelt zu kommen, wenn es regnet, man muss es einfach machen. Das bessere Wetterfenster wäre wahrscheinlich früher gewesen, aber der Tag zuvor war lang und es war spät bis ich geschlafen habe, daher hieß es jetzt einfach los. Alles im Zelt soweit packen wie möglich, dann den Rucksack in den schicken Raum mit den Sofas getragen und das Zelt abgebaut. Doof, dass es immer das dreifache wiegt wenn es nass ist 🙁
Die anderen beiden waren in dem kleinen Räumchen am frühstücken, was ich schon im Zelt gemacht hatte, also habe ich dann nur noch abgespült und fertig gepackt. Mein Rucksack war zumindest ohne das ganze Essen ziemlich leicht. Ein paar Riegel, ein Apfel, ein halbes Frühstück für den nächsten Tag und eine Packung Reis und Thunfisch. Alles was man für einen Wandertag braucht.
Dann ging es los Richtung SH1 was hieß, entweder laufen oder versuchen per Anhalter hoch zu kommen. Lis war schon ein paar Minuten vor mir los gelaufen, kam mir aber schon nach dem Parkplatz am SH1 wieder von oben entgegengelaufen. Sie war auf der anderen Straßenseite und hatte versucht eine hitch zu bekommen, aber im Regen an einer Stelle am Berg, an der man nicht anhalten kann, ist es unwahrscheinlich. Sie hatte also versucht weiter hoch zu laufen, doch war es auf der Bergseite zu eng und zu gefährlich bei der schlechten Sicht. Wir sind dann gemeinsam auf der rechten Seite, also dem Verkehr entgegen, hoch gelaufen. An den meisten Stellen war es OK, nur ein zwei Kurven waren etwas eng und unübersichtlich.
Oben auf dem Bergkamm gab es dann eine Abzweigung auf eine Schotterstraße, die wieder ruhig und angenehm zu laufen war. Das waren erstmal ca 6km. Ich habe dann beschlossen, etwas Musik zu hören, denn bei dem Regen war nicht viel mit Aussicht.
Irgendwann fährt ein Auto neben mich, macht das Fenster runter und der Fahrer quatscht mich an, ob ich den TA laufen wollte?
Ja, das versuche ich. Das ist so die Standardantwort. Seine Antwort war allerdings unerwartet: „Dann bist du hier aber falsch, du hättest weiter vorher abbiegen müssen. Aber das passiert Vielen, die Abzweigung ist etwas schwierig zu erkennen.“ Er hat mich dann liebenswürdigerweise mit seinem Auto zurück gefahren. Von seinem Küchenfenster aus hat er mich wohl gesehen und ist dann schnell ins Auto gesprungen um mich zu retten. Das ist schon cool, wie nett die Locals zum größten Teil auf die TA Hiker reagieren.
Der Abzweig ging quasi einen Weg hoch, der wie eine Einfahrt aussah, aber doch um das Haus herum ging. Ich war wohl von dem Pferd auf der Koppel rechts abgelenkt als ich dort vorbei kam, soweit ich das in meiner Erinnerung rekonstruieren kann.
Der Weg führte dann auf eine Farm und dort über ein paar Weiden bis zu einer Straße, die hinauf bis zum Moir Hill führt, auf dem ein großer Funkmast steht. Etwas den Berg wieder hinunter hat man dann die Straße auf einen Weg in den Wald verlassen . Hier waren zwei große Betonklötze davor, dass dort kein Auto reinfährt, ideal für meine Mittagspause, bei der ich natürlich wieder überholt wurde, weil die anderen erst später essen wollten.
Ab dort wurde es wieder schmaler und es fing wieder mit Lehmboden an, also würde es wieder rutschig. Ich hatte ja zum Glück meinen neuen Stock. Mit etwas auf und ab und mal breiteren und schmaleren Wegen ging es auf dem Grad durch den Wald. Meistens ganz gut zu laufen, aber es gab ein paar Matschlöcher zwischendurch. Auf der andern Seite des Waldes kam dann eine Farm und es ging über ein paar Farmwege und Weiden runter zur Remiger Rd Campsite. Nach dem Wald konnte ich vor mir auf dem Farmtrack Lis erkennen. Wir haben uns dann unten am Ende getroffen, wo sie auf Lena gestoßen war. Auf dem Weg runter in das Tal hing am Wegrand ein Schild für eine Free Campsites bei dem Puhoi Tearoom. Eigentlich war ich auf DOC campsite eingestellt, einfach was ruhiger. Lena ist abgezischt noch bevor ich den Berg runter bin. Sie ist schon, schätze ich mal, um die 60 und kann es sich anscheinend leisten öfters essen zu gehen. Lis hingegen ist nach ihrer Ausbildung hier hergekommen und muss etwas aufs Geld achten. Mir war es egal, wir würden am nächsten Morgen eh in Puhoi vorbei kommen, wo ich mir dann was zu Essen kaufen kann. Für den Abend und Morgen hätte ich ja noch was.
Ich bin dann Liz auf die DOC campsite gefolgt, da ich ja nur einen Wanderstock hatte und einen zweiten für das Zelt brauchte.
Die Campsite ist auch wirklich schön angelegt und alles noch recht neu und ordentlich. Sogar Toilettenpapier gab es. Ich habe erstmal meine Wäscheleine aufgehängt und meine Socken gewaschen, was dringend nötig war. Da es noch nicht so spät war, wir gutes Wetter hatten und Liz sich für ein Nickerchen in ihr Zelt verkrümelt hatte, hatte ich Zeit mir Gedanken über meinen Wanderstock zu machen. Am Straßenrand hatte ich einen Splint gefunden, von dem ich dachte, ich könnte ihn zum schienen benutzen und einfach ein paar Kabelbinder drum machen. Aber ich hatte mir am Vortag von einem Manukau Busch einen Zweig abgebrochen, der natürlich nicht von einem lebenden Baum kommt, sondern den ich mir in einem Waldstücke, das gerodet wurde, ergattert hatte. Der Wanderstock ist aus Alu, also habe ich erstmal versucht, die Bruchstelle mit dem Splint etwas aufzubiegen, allerdings sind die zerquetschen Teile dann einfach abgebrochen, weil das Material doch eher spröde ist, was aber ganz gut war. So war es an der Bruchstelle zwar noch etwas platt und verbogen, aber man konnte etwas hineinstecken zum stützen. Also habe ich angefangen das Holzstück zu bearbeiten. Glücklicherweise hatte der Zweig einen kleinen Knick, der, wenn man ihn richtig dreht, ziemlich gut die Biegung der Bruchstelle ausgleicht. Was ein Zufall. Also habe ich dann den Zweig auf Maß geschnitzt und eine Einkerbung für das Verbindungsseil gemacht, das die gefalteten Teile zusammen hält. Das in das Alu gesteckt und außen was Panzertape drum herum. Lizs Wanderstock habe ich dann ausgebaut und meinen eingebaut, Zelt stand. Super Sache so ein Bastelnachmittag. Die Sonne stand schon tief, also war langsam Abendessenszeit, Liz kam dann auch wieder aus ihrem Zelt, wir haben dann gemeinsam gegessen.


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