Der Morgen war recht feucht. Es hatte nicht geregnet aber nachts wurde es kalt und am morgen sind dunkle Wolken durchgezogen, die eine hohe Luftfeuchtigkeit mit sich gebracht haben. Leider hatte ich nicht gut geschlafen, da mein Zelt doch etwas seitwärts schräg stand und ich das Wegrollen im Liegen immer etwas verhindert habe. Anscheinend mit einem Muskel im Rücken. Daher war der Rücken total verspannt und ich konnte so ab 3 Uhr nicht mehr gut schlafen. Deswegen war ich dann auch früh wach , auch wenn ich erst nach neun loskomme wegen des Fahrrads, was mich etwas angekäst hat aber ich konnte es jetzt nicht mehr ändern. Ich hatte zwischendurch die Idee nach dem Trail weiter zu laufen, die kommenden 26km sind fast nur Straße ohne große Steigung. Die anderen waren auch alle schon früh unterwegs, ich denke, die meisten wollten gegen halb acht bis acht starten. Dann wären sie entspannt mit Pause gegen 12Uhr am Ende des Timber Trails. Am Camp Epic, an dem ich mein Fahrrad bekommen sollte und wir unsere Rucksäcke für den Transport abgeben, war auch das holländische Paar, sie wollten ebenfalls nach Tauramanui laufen. Nach und nach sind dann alle aufgebrochen. Nur die schottische Familie, deren Tochter in Wellington lebt, hat gerade angefangen zu frühstücken als alle anderen weg waren. Ich habe die Zeit genutzt und etwas gelesen und meine leere Powerbank noch geladen, damit bin ich auch wieder etwas unabhängiger. Das Teil mit Schnellladefunktion zu kaufen macht auf jeden Fall Sinn. Auch wenn ich denke, dass ich mit meinem Telefon und der Powerbank maximal fünf Tage überbrücken kann. Sollte es doch mal länger werden, muss ich mir noch was einfallen lassen.
Naja, zumindest habe ich ein anderes Fahrrad bekommen, das sah zwar auch schon stark gebraucht aus, aber hat wenigstens anständig funktioniert. Ich habe dem Menschen, der es gebracht hat, erklärt, was alles nicht so funktioniert hat und er war etwas verwundert, dass die Kette gerissen ist, weil er der Meinung war, die bei dem Fahrrad vor gar nicht allzu langer Zeit gewechselt zu haben. Aber er meinte auch, dass gerade die großen Fahrräder meistens auch schwere Fahrer haben, die natürlich im Anstieg da auch Druck drauf bringen. Wenn man so hört wie die anderen schalten am Berg unter Vollast, das kracht schon ganz schön.
Ich bin dann diesmal mit meinem Mittagessen ganz alleine auf den Trail gestartet. War vielleicht auch gut so, weil ich mich die ersten Kilometer wie beim ersten Mal Fahrradfahren gefühlt habe. Das ging sowas von nicht vorwärts, da merkt man doch, was so eine paar Monate veränderte Belastung doch ausmachen. Ich bin vor dem Wandern kaum noch Rad gefahren, das habe ich da gemerkt. Auch der Hintern hat vom Tag davor noch weh getan. Aber der Trail war echt schön und einfach zu fahren. Bewertet als Grad 2, was auch immer das bedeutet, mancher deutsche Fahrradweg ist nicht unbedingt besser nur weniger anschaulich.
Heute auf dem Trail sind die Highlights die 141m lange Swing Bridge. Insgeamt gibt es, glaube ich, 35 Brücken und bestimmt 10 davon sind Swing Bridges. Die wackeln auch gut im Takt der Pedalbewegung. Kurz vor der Brücke habe ich einen anderen Fahrradfahrer überholt und bin dann mit Tempo über die Brücke. Am anderen Ende stand jemand und hat was gerufen als ich näher kam. Am Ende sagte die Frau dann nur: „Oh sorry, du bist ja gar nicht mein Mann, aber ich hab von dir leider auch kein gutes Foto hinbekommen“, sonst hätte sie es mir geschickt. Sie hatte wohl Probleme mit der Kameraeinstellung. Zwischendurch hat es etwas genieselt, da das meiste aber dichter Wald war, ist das weniger zu spüren gewesen.
An der ersten Toilette habe ich dann kurz angehalten um einen Riegel zu essen, das war für mich einer der Marker auf dem Weg.
Bei dem Zwischenstop habe ich dann einen Deutschen getroffen, der mit großem bikepaking Taschen unterwegs war. Er, Anfang sechzig und früher mal Lehrer, jetzt aber seit einigen Jahren als Fotograf immer wieder in NZ mit dem Fahrrad unterwegs. Ich habe mich mit ihm eine ganze Weile unterhalten, war nett. Der Trail ging dann irgendwann über in eine alte Bahnstrecke, für die sie immer wieder Schluchten in den Fels geschlagen haben, die dann mit Moos und Bäumen bewachsen sind. Das war echt schön anzuschauen. Ein anders Highlight war „The Spiral“. Dort haben sie die Bahnlinie einmal im Kreis und durch einen Tunnel geführt um die Steigung abzumildern. Wenn man mit etwas Geschwindigkeit in den Tunnel rein fährt, kommen sich die Augen so schnell nicht an die Veränderung gewöhnen und auf dem feuchten und unebenen Untergrund kann man auch nicht so schnell bremsen. Wegen der starken Kurve gab es doch eine ziemlich dunkle Stelle in dem kurzen Tunnel. Ich habe da kurz für ein Foto angehalten, dann ging das auch super ohne Licht weiter. Leider hatte es etwas mehr angefangen zu regnen und nach der Spirale ging es an der Bergseite entlang, da war dann etwa mehr Regen zu spüren als im Wald. Laut Auflistung im Camp sollte bei km 68 von 82 ein Spot mit Aussicht sein, da wollte ich Mittag machen. Die Aussicht war dann nicht ganz so berauschend wegen der aufgezogen Regenwolken, aber es stand dort ein kleines Schild mit der Aufschrift: Cellphone reception.
Coole Sache und die beiden Sektion Hiker, die Frau aus Belgien und der Kiwi waren auch da. Wir haben dann ein bisschen über die nächsten Tage auf dem Trail gesprochen. Sie machen nur das Tongariro Crossing und den Wanganui River, dazwischen werden sie Alles überspringen, sie haben einfach weniger Zeit.
Aber er hatte mit dem Kanuverleih telefoniert und meinte die seien ziemlich flexibel, ich hatte ihnen von meinem Plan für den Round the mountain erzählt und dem resupply Problem. Also habe ich den Empfang genutzt und mal der Firma eine E-Mail geschrieben und Mittag gegessen. Jetzt war es ja auch nicht mehr weit und eine 9km lange Downhill streckte lag vor mir 🙂
Ich war dann gegen halb zwei am Ende des Trails um mein Fahrrad abzugeben, noch vor den beiden anderen, die vor mir ihre Mittagspause beendet haben. Das Ende des Trails ist auch das Headquarter des Fahradverleihs bei dem ich gebucht hatte, zwei 40 Fuß Seefrachtcontainer. Direkt neben dran die Campsite. Ich war kurz am überlegen, ob ich noch weiter laufen sollte, ca fünf ein halb Stunden bis zur Campsite in Tauramanui, meine Schuhe liegen aber 10km dahinter. Das ergab alles keinen Sinn und mein rechtes Knie war auch etwas angestrengt nach dem Radfahren heute, das hatte gestern schon etwa gezogen. Ich denke, das ist immer noch wegen der Belastung am Pirongia und dem scheiß Fahrrad mit dem kaputten Pedal vom Vortag.
Ich habe dann beschlossen, mir den Nachmittag frei zu nehmen, ohne Telefonempfang. Also war auch nichts mit Trail organisieren. Die beiden Section Hiker vom Mittagessen sind auch dort geblieben.
Als ich ankam war noch die Holländerin da, ihr Mann war schon los gelaufen. Sie würde mit jemanden vom Fahrradverleih in die Stadt fahren, da sie sich unterwegs übergeben hatte und sich nicht so fit fühlt. Das Dreiergrüppchen aus Kathi, Anthony und Jack war auch noch dort. Jack hat das Fahrradfahren nicht gut vertragen und war am humpeln und Anthony hatte sich am Tag vorher schon Mal abgelegt. Die drei wollten auch mit dem Auto in die Stadt fahren.
Zwischendurch kam dann jemand in Richtung Campsite gelaufen, ich dachte erst es wäre Emma aus der Sechsergruppe, mit der ich morgens auf dem Campingplatz war, aber es war Emma aus den USA. Wie sich herausgestellt hat, ist es die „Tramping Hat“ Emma, sie hat das initiiert. Sie ist den Abschnitt heute rückwärts gelaufen und würde auch mit in die Stadt zurück fahren. Zum Glück hatte der Fahrradverleih einen großen Van. Wir waren also nur drei TA Hiker auf der Campsite. Ich habe dann mein Zelt getrocknet und noch was gelesen. Ich schlafe auch im Shelter der Campsite und nicht im Zelt, dann bleibt das trocken und ich muss es nicht abbauen 😉 Ich will früh los um gegen Mittag in der Stadt zu sein, dann muss ich meine Kanu Tour buchen und dafür einkaufen, auch wenn das erst in 10-12 Tage sein wird. Wahrscheinlich werde ich es erst nach Neujahr bis Wellington schaffen, mal schauen wie es läuft. Es kommt ja noch ein Gebirge dazwischen. Erstmal muss ich die 42 Traverse bewältigen.

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