Am nächsten Morgen hat sich unsere Dreiergruppe dann aufgelöst. Lis wollte keine teure Übernachtung in Auckland bezahlen also ist sie zur nächsten Fähre gelaufen um direkt ins Zentrum zu kommen und dort einen Bus zu erwischen. Das Problem zwischen Orewa und Auckland CBD ist, dass es keine Campingplätze mehr gibt, nur noch teure Häuser. Ich hatte ja das Glück einen Kiwi zu kennen, den ich heute hoffentlich auf dem Weg wieder treffe und bei dem ich übernachten kann.
Lena war unentschlossen, sie wollte gerne das Rivercrossing machen aber war mit den Übernachtungsmöglichkeiten auch nicht glücklich, daher war sie drauf und dran mit Lis die Fähre zu nehmen. Sie stand schon Abmarsch bereit da als ich gerade mein Zelt abgebaut habe. Sie hat dann doch noch gewartet bis ich gepackt hatte um mit mir zu Crossing zu gehen, weil sie es nicht alleine machen wollte. Da wir eh noch auf Ebbe warten müssen, werden da bestimmt noch mehr auftauchen. Ebbe war für 16:40 angesagt.
Wir sind also zusammen los. Ich habe mich dann auf dem Weg noch mit Sonnencream eingeschmiert, für sie Beine musste ich kurz anhalten, doch Lena ist weiter gelaufen, so viel zu gemeinsam zum Rivercrossing. Egal, ich würde sie bestimmt einholen. Nach dem Campingplatz ging es dann über eine Brücke und dann rechts ab in einen Park, Lena ist schnurstracks geradeaus gelaufen, ich habe versucht ihr nachzurufen und versucht sie anzurufen, aber sie hatte den Flugmodus drinnen. Ich bin dann dem Trail gefolgt, ich glaube ihr ist das eh egal, aber es ging von da durch einen schönen Park und später an ein paar Schulen vorbei bis zum Silverdale Shopping Center. Die erste Gelegenheit für Toilette und Kaffee, einen Mac Pack Laden gab es auch, aber nichts Passendes für mich. Ich hatte zwar ein paar Sonnenschutzhandschuhe gesehen, aber nur in S und XS 🙁
Nach dem Kaffee bin ich dann weiter durch die Stadt. Es ging irgendwann auf eine Art Landstraße zwischen zwei Vororten. An einer Tafel mit den lokalen Highlights und Terminen hing auch ein Hinweis für TA Hiker: Unsere Straße ist schmal und kurvig aber die Einheimischen nehmen Euch gerne ein Stück zu Eure Sicherheit mit.
Ich fand es ging und so viel war da nicht los. Irgendwann kam aber eine Baustelle und hier ist es ja so, dass an jedem Ende ein Mensch steht, der das Stop-and-Go-Schild bedient, an jedem Ende haben sie also jemanden stehen, der per Funk ansagt, wenn da Autos sind. Dazu gehört auch der Manager oder was der ist. Ich wurde ja schon mal durch eine Baustelle geführt, also bin ich zum Schildermann gegangen. Der hat gleich gesagt, er hat schon seiner Kollegin Bescheid gegeben, die sammelt mich dann mit dem Auto ein und fährt mich zum anderen Ende. Cool, was ein Service. Es waren drei Baustellen und sie hat mich zum Ende der letzten gefahren, dort hat sie mich noch auf die lokale Foodbank aufmerksam gemacht, ein Schrank zum Tauschen von überzähligem Essen und für Leute, die es sich nicht leisten können.
Darin gab es einige Bananen und Grapefruit, die wie frisch vom Baum aussahen, da habe ich eine mitgenommen. Was eine Vorfreude 🙂
Es ging dann nicht mehr weit runter bis zur Stillwater Marina. Da bekomme ich einen Anruf von Lena, sie ist schon an einer Bucht und weiß nicht genau wie es weiter geht, ich habe gesagt ich bin an der Marina und sie meinte, dann sei ich ca eine Stunde hinter ihr. OK, what ever, aber wofür gibt es GPS? Hab ich nicht ganz nachvollziehen können. Sie hat dann kurz darauf eine SMS geschrieben, ich müsste durchs Wasser laufen und dann am Ende der Bucht dem Schild folgen. Ich war dann ca 30mim später an einer Bucht, an der man entweder durchs Gebüscht klettern kann oder einfach der Natur ihren Lauf lässt, also warten bis das Wasser weiter zurück geht.
Ich habe dann mit Lina, meinem Begleiterchen, dem grünen gehäkelten Wurm, Mittagspause unter einem Baum direkt am Wasser gemacht. Dabei hat sich die Grapefruit als riesige super saftige Orange herausgestellt, was ein Traum. Das Wasser ist währenddessen immer schneller von meinen Füssen weg gegangen. Da kam Mark vorbei, mir war es noch zu weit oben, aber ich hatte es ja jetzt bestimmt eine halbe Stunde beobachtet und war mir sicher das es bald easy sein würde weiter zu gehen. Mark ist weiter und ich habe ihm beim Klettern durch die Bäume zugeschaut… Am anderen Ende der Bucht ist er aber nicht den Berg rauf sondern an der Klippe entlang, er kam nicht zurück also muss es da weiter gehen.
Plötzlich tauchte dann noch Bruce auf, super Sache ich hatte ja noch den Hut. Den habe ich ihm dann feierlich überreicht im Schatten meines Picknickbaumes. Auch er ist weiter während ich noch mein Mittagessen eingepackt habe. Auch er hat den Weg an den Klippen genommen, tja Lena ist da durchs Wasser gelaufen und wir sind mit etwas warten alle mit trockenen Füssen da durch gekommen.
Zwei Buchten weiter saß dann Mark beim Mittagessen, Bruce war schon weiter. Es ging dann immer einfacher um die Klippen rum zu kommen, weil das Wasser immer weiter zurück ging. Am Ende kam noch ein schöner Sandstrand und ein Felsvorsprung, der Marker für die Überquerung des Flusses. Hier saß Bruce, wir hatten noch locker 3 Stunden, aber Lena war nicht da, was merkwürdig war, sie wollte doch unbedingt da Crossing machen. Naja, etwas später war dann auch Mark da. Wir haben dann was gequatscht und noch was Buch gelesen während wir die Ebbe bei der Arbeit beobachtet haben. Zwischendurch kam noch ein Mann vorbei, der Vögel zählt und Eier von Vögeln umquartiert. Manchmal legen die ihre Eier wohl während der Ebbe an Stellen, die wieder überflutet werden.
Zwischendurch hatte Lena geschrieben, dass sie am Strand einen Kiwi mit Boot getroffen hat, der sie mit rüber genommen hatte. Der Vogelbeobachter hat dann auch erzählt, dass Pete wohl vorhin einen Hiker rüber gefahren hat, aber der ist schon wieder weg.
Naja, wir haben uns dann die Zeit so bis um vier vertrieben. Bruce hat mal die Lage sondiert und meinte das erste Stück würde gut aussehen, aber im Hauptkanal sei noch viel Wasser. Wir haben dann mal die Sachen gepackt und sind losgezogen, umdrehen kann man ja immer noch. Wir sind alle ähnlich groß. Für Bruce war es sozusagen die Heimkehr, er meinte der Fluss grenzt die Vororte von Auckland ab, also ein wichtiger Abschnitt.
Der erste Teil war OK, so Knie hoch, der Hauptkanal sah wirklich noch was tief aus. Aber OK, Hose zur Hotpants hochgeschoben und los, leider sind die Juwelen doch etwas gesalzen worden. War aber lustig.
Auf der anderen Seite haben wir dann versucht unsere Füsse in ein paar Pfützen vom Sand zu befreien, hat so semi gut funktioniert, sah aber lustig aus wie wir Kreuz und quer versucht haben von einer steinernen Stelle zur anderen zu tänzeln.
Bruce packt dann einfach ein Handtuch für die Füsse aus, Heimspiel Vorteil. Er hat netterweise geteilt.
Dann sind es nur noch 10 Kilometer bis zu Bruces Haus. Da lagen noch ein paar Buchten mit Stränden, Klippen und etwas auf und ab davor, also gut zwei Stunden.
Es war noch ein schöner Weg und Bruce hat noch ein paar Sachen zu den Orten auf dem Weg erzählt.
Bruce hat ein echt schönes Haus, viel Holz von außen, Douglasie unbehandelt. Und innen auch viel Holz. Nur ein schmaler Streifen Rasen ist an der Seite des Hauses vorhanden, aber gerade ausreichend breit für mein Zelt, Mark hat auf dem etwas breiteren Stück zur Straße hin gezeltet.
Bruce hat auch ein paar Betten hergerichtet, aber Franziska und Christina würden auch noch kommen. Der Platz fürs Zelt war ja gut geschützt und regnen sollte es auch nicht.
Nachdem die Mädels angekommen waren hat Bruce ein paar Pizzen geholt. Seine Frau Tanja haben wir dann auch kennen gelernt, sie kam gerade aus dem Whirlpool und hat uns danach erstmal auf was zu trinken eingeladen. Es gab einen leckeren Gin von der Südinsel mit Blutorange. Sehr fein. Gesessen haben wir dann auf der L-förmigen um den ersten Stock gezogenen Terrasse. Im Erdgeschoss war die Garage, Hauswirtschaft und Gästezimmer, darüber der große Wohn- und Küchenbereich. Im hinteren Teil war ein halbes Stockwerk versetzt, weil am Hang die Schlafzimmer der Kinder auf der ersten Ebene sind. Jackson, der in Dunedin studiert und Allison, die noch zur Schule geht, aber gerade arbeiten ist. Sie arbeitet anscheinend als Rettungsschwimmer am Strand. Sehr wasserlastig die ganze Familie. Bruce fährt Kayak und Allison anscheinend auch, da lagen mindestens sechs verschiedene rum. Bruce hat allerdings erzählt, dass er selber nur zwei hat.
Zumindest haben wir dann gegessen und noch eine Flasche Rotwein aufgemacht, die die Mädels mitgebracht hatten. Allison ist dann auch noch gekommen und hat sich dazu gesellt, aber wie das mit Teenagern so ist, die sind dann eher etwas zurückhaltend, wenn die Eltern verrückte Leute einladen.
Die Hier-Gruppe ist dann vor dem Schlafen nochmal in den Whirlpool abgestiegen, super nach so einem Wandertag. Würde ich mir öfters wünschen. Danach war ich auch müde und habe richtig tief und fest geschlafen.
Wir wollten eigentlich gemütlich starten so gegen 7:30, aber Bruce wurde darauf hingewiesen, dass er ja immer um 6 losläuft und dass er das ja jetzt nicht einreißen lassen darf. OK da war was im Busch.


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