Der Morgen war nass und kalt. Es war starker Regen für den Vormittag vorausgesagt. Also möglichst alles für Regen gepackt und vorbereitet. Keine Klamotten aussen am Rucksack zum Trocknen und so. Ein komplett nasses Zelt, das locker mehr als das doppelte Eigengewicht auf die Waage bring, im Rucksack verstaut und dann die, zwar etwas abgetrockneten aber vom Tau wieder nassen, Klamotten an, schon frisch am Morgen. Dazu zwar trockene Socken, aber kalte und nasse Schuhe, die tatsächlich nach ein paar hundert Metern gehen, aber die Gamaschen sind da viel garstiger und länger nass. Ich habe welche mit einer Art Socke als Bund oben gekauft ohne darüber nachzudenken, dass die ewig zum Trocknen brauchen. Es war auch der erste Tag ohne lange Hose, da es ja regnen sollte. Ich dachte, dann läuft mir nicht das matschigen Wasser aus der Hose in die Schuhe. Wie es immer so ist, kam es anders, Sonne am Morgen, Regen am Nachmittag…
Ich habe dann wieder auf dem Weg gefrühstückt, schön bei Sonnenschein auf dem State Highway 1, der wegen Bauarbeiten ja abschnittsweise komplett gesperrt ist. Es war also nichts los auf den ganzen ca 8km, vielleicht 10 Autos und eher doppelt soviele Kühe auf der Straße, die mich mit großen Augen angeschaut haben, darunter auch mindestens ein Bulle. Ich habe dann dank des guten Netzes mal Zuhause angerufen. Beim Telefonieren bin ich dann an der Samstags geschlossenen Mangamuka Dairy vorbei gekommen. Ich habe da eine Plastikflasch entsorgt, die ich auf einer Wiese am Trail eingesammelt hatte. Dort bin ich auch einem der vier Mädels aus der Gruppe vom Vortag begegnet. Allerdings war ich am Telefon und konnte nicht quatschen, daher bin ich dann weiter. Sie würden bestimmt nicht weit hinter mir sein. Ich bin dann bei abwechselnd Sonne und Wolken entspannt auf die Schotterstraße abgebogen. Nach einigen Kilometern stand ein Tisch mit ein paar Stühlen gegenüber der Einfahrt zu einer Farm, perfekt um das Wasser in meiner vorderen Tasche aufzufüllen. Ich hatte wegen zu wenig Wasser nach dem Abspülen noch nicht Zähne geputzt. Also Rucksack auf den Tisch. Wasserfilter und Flasche raus und ab ans Werk. Mit etwas entspannter Klaviermusik im Ohr habe ich dann beschlossen noch etwas Stretching zu machen und meine nassen Klamotten und Schuhe aus dem Rucksack aussen zu befestigen. Als ich gerade den Rucksack aufsetzen wollte, hörte ich Stimmen und kurz darauf kamen Franzi und die Vierergruppe um die Ecke. Ich habe dann kurz Hallo gesagt und den Platz für die Vierergruppe geräumt, Franzi ist durchgelaufen.
Ich also erstmal Zähne geputzt, danach hatte ich Franzi recht schnell wieder überholt. Ein paar Straßenbiegungen und Kilometer später war mir so warm, dass ich wieder anhalten musste um mein Unterhemd auszuziehen und wurde wieder überholt. Das war gut, weil es danach den Berg hinauf ging. Ich war schon recht weit gekommen und hatte nur noch 8-10km übrig. Also habe ich am Berg die Stöcke ausgepackt und habe etwas Gas gegeben um etwas Training für die Beine zu bekommen. Es ging dann Berg auf und Berg ab über eine immer steiniger werdende Straße bis zum Feldweg, in den unter Naturschutz stehenden Kauri Wald. Der Weg war gut, das Wetter nicht zu warm und das Tempo hat mir gefallen, leicht schneller, als es zum Unterhalten gut gewesen wäre. Aber schnell genug, um Franzi wieder zu überholen. Irgendwann bin ich dann an die betonierte Furt gekommen, an der man entscheiden muss, ob der Weg vorwärts oder zurück über die Umleitung geht. Es war weit weg von Überflutung, also schnell Wasser aufgefüllt und weiter. Ich war dann gegen viertel vor eins an der Campsite nach ca 23km. Perfekt fürs Mittagessen. 🙂
Bruce und Amy waren schon da und haben gerade ihre Zelte aufgebaut. Sie waren also noch nicht lange da, waren am Morgen aber schon weg als ich zum ersten Mal aus dem Zelt geschaut habe, irgendwann zwischen 6 und 7. Ich habe dann erstmal mein Zelt aufgebaut, was sich dank der Sonne erstmal in ein Dampfbad verwandelt hat, das ich dann noch von innen mit meinem Unterhemd ausgewischt habe. Alles raus zum Trocken gelegt, Klamotten gewechselt und schnell den Schweiß ausgewaschen und alles aufgehängt. Dann ein entspanntes Mittagessen auf einer Holzbank liegend, was ein Luxus. Endlich hatte ich Mal Zeit und Ruhe zum Lesen und Schreiben. Beim Lesen hat mich dann ein Tropfen Wasser erwischt, ich dachte erst, eine Spinne unter dem Dach hat mich angespuckt, aber es war ein Regentropfen, der etwas quer geflogen kam. Ich bin also aufgesprungen, habe die Sachen zum Trocknen vom Zelt geholt und das Zelt zu gemacht, Klamotten in der Schutzhütte wieder aufgehangen und entspannt weitergelesen, während es etwas genieselt hat. Dann waren da wieder Stimmen und die Vierergruppe kam an. Sie hatten es am Tag zuvor noch zu Dairy geschafft, weil sie den Besitzer angerufen haben und sie dann jemand eingesammelt hat. Cool!
Sie haben dann auch angefangen ihre Zelte zu errichten ,doch dann hat es angefangen zur regnen, also kamen sie wieder mit ihren Sachen oder teilweise Innenzelten in der Hand zurück zur Hütte gerannt. Das Spiel ging dann nochmal etwa dreimal bis alle fertig waren. Währendessen sind auch Cristina und Kass eingetroffen. Franzi ist wohl die Umleitung gegangen, weil sie keinen Bock auf nasse Füße am kommenden Tag hat. Da soll es dann durch den Fluss gehen, also ihm folgend im Wasser, nicht nur queren. Das wollte sie nicht wegen ihre Blasen am Fuß. Morgen Abend sollte sie dann aber wieder auf der gleichen Campsite sein wie wir.
Der Nachmittag war dann ganz lustig in der neuer Gruppe. Amy aus Amerika ist Rentnerin, groß und schmal und hat schon den PCT und andere lange Trails bewältigt. Trotzdem ist sie mit dem Matsch der zwei Tage vorher nicht gut klar gekommen. Sie und Bruce starten lieber früh und gehen langsam. Bruce kommt aus Auckland und hat seinen Job gekündigt, weil er mal was neues machen will, er ist unser Trail Doctor, denn er hat als Sportmediziner die letzen zwölf Jahre das Neuseeländische Olympia Team begleitet. ‚Stick with Bruce‘ ist also der neue Spruch. Er wohnt in Auckland wohl direkt am Trail, was heißt, dass ich schon bei ihm vorbei gelaufen bin. Seine Frau hat er schon mal vorgewarnt das er mit einer Hikerbubble einfallen wird, sie versucht schon mal die Nachbarn zu sensibilisieren, dass bald ein paar Zelte im Garten stehen werden. Das kann noch lustig werden. Noch zwei Tage bis Kerikeri, danach kann es sich wieder etwas anders aufteilen, ich bin gespannt was da noch kommt.


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