Gegen 6 bin ich aufgewacht. Da war der erste schon wieder weg, Frank hieß er, auch ein TA Hiker, der die Ninty Mile beach Section aber schon hinter sich hatte.
Ich habe dann mit Fe und den Kids telefoniert und versucht herauszufinden ob der Track, den ich geplant hatte, passierbar ist. Laut Hompage sei er gesperrt, aber die Locals waren unterschiedlicher Meinung. Eine andere TA Hikerin aus dem Hostel, die auch schon die erste Etappe gemacht hatte, hat mir dann erzählt, das jemand, den sie getroffen hat, zumindest das letzte Stück gegangen ist und das wohl ging.
Nachdem die beiden Franzosen dann irgendwann doch früher fertig waren als sie am Abend zuvor gedacht hatten, habe ich mal bei den Damen geklopft.
Christina hat sich dann schnell fertig gemacht und ihr Frühstück mit ins Auto genommen.
Der Franzose hat dann einen ganz guten heißen Reifen hingelegt… Allerdings wurden wir trotzdem von einem Pickup mit Anhänger überholt.
Ich wollte eigentlich versuchen, an der Tankstelle vor dem Cape noch eine paar Infos zum Weg einzuholen, das war aber nix, da es nur ein Automaten zum Tanken gab.
Ich habe mich dann dazu entschieden, die 5km mitzunehmen, von denen Sabrina mir im Hostel erzählt hat. Die drei anderen haben mich dann an der Straßenkreuzung vor dem Cape raus gelassen. Da fing dann das Laufen an. Erst ein bisschen Schotterstraße, dann schräg den Berg rauf auf einer Art Quadweg, wahrscheinlich ein alter Serviceweg. Oben angekommen bin ich erstmal bis zur Wade im feuchten Gras versunken 🙂 Die Socken waren eh noch nass.
Der Trail ist schon länger nicht mehr gepflegt worden und sehr zugewuchert von Büschen und einem Zeug wie kleine Distelbäume.
Der Weg hat sich zwar zu einer Art Trampelpfad verbessert, allerdings war auch dieser sehr zugewuchert, aber immerhin, es war fast etwas waldig. Ich hab dann noch ein älteres Ehepaar aus Deutschland getroffen, bevor ich kurz Richtung Küste vor bin für ein paar Fotos.
Danach wurde es etwas waldig, allerdings hat es auch angefangen zu regnen. Der Wind hat schon gut geblasen, aber zwischen den waldartigen Gewächsen war es ok. Ich habe mir den Poncho übergeworfen. Das war auch sehr gut, bis ich aus dem Wald raus auf den Grad gekommen bin. Da hat es mir den Poncho nur noch um die Ohren geweht, weil die Plastikknöpfchen das nicht gehalten haben.
Also habe ich versucht, das Ding so gut es ging mit den Händen dicht zu halten. War OK, bis der Trampelpfad schmaler wurde und es an den Abstieg zur Sandy Bay ging. Da verwandelte sich der Weg in ein ca zwei Fuss breites Fließgewässer, das an der einen Seite teilweise den bewachsenen Hang hinunter ging. In der Bucht habe ich dann das Pärchen wieder getroffen, das aufgrund des starken Regens den Rückweg angetreten hat. Ich habe dann versucht, auf der anderen Seite der Bucht den Weg zu finden. Erstmal mit dem Telefon in der Hand dran vorbei gelaufen, bis das GPS wirklich sicher war, dass ich vorbei war. Ich dachte erst, da kommt ein kleiner Bach den Hang hinunter, aber eigentlich war es der Weg nach oben. Also bin ich da hochgeklettert, was dank Bewuchs rechts und links ganz gut ging. Nach 20m wurde es auch besser. Gut zu laufen und schön eingewachsen, aber steil. Das sollte sich dann auch bis ganz noch oben so weiter ziehen, nur halt ohne Bewuchst, mit voller Kraft des Windes und dem Regen. Dafür habe ich mir dann die Wanderstöcke raus geholt, weil es sonst echt zu rutschig war. Ich hab da gut geschwitzt, was man aber wegen des kalten Regens nicht gesehen hat. Der Weg ging dann bis kurz unterhalb des Parkplatzes am Cape Reinga. Von dort aus ging es erstmal wieder gut 50hm runter. Toll 🙂
Ich bin dann schnell zum Leuchturm vor für des obligatorische Foto, dann aber auch gleich wieder zurück, um auf der anderen Seite den Trail zu starten, also erstmal fast den Weg wieder zurück hoch. Ich war zwar eigentlich schon bedient, aber das Abenteuer hat da ja erst angefangen. Dafür habe ich am ersten Tag schon so ziemlich viel von dem gesehen was die Natur so gegen einen haben kann.
Zum Glück hat dann der Regen etwas nachgelassen und hat schliesslich auch aufgehört. Da konnte man dann die Aussicht auf die schöne Küste genießen und dabei teilweise wie beim Ski fahren den Matsch hinunter schlittern, bis ich an eine Anordnung von Holzrahmen kam, die voller Wasser standen und etwas Höhenunterschied hatten. Ich glaube, das sollte eine Art Treppe darstellen. Ich habe dann also Fussbäder in verschiedenen Brauntönen genossen, bis runter zum Strand und erstmal durch etwas knöcheltiefes Wasser.
Dort ging es dann ein paar Kilometer entlang, schon mit Rückenwind 🙂
Irgendwann musste man dann doch nochmal durchs Wasser um auf der anderen Seite einen mit Gras bewachsenen Hügel hochklettern zu müssen. Dort ging es dann ein wenig rauf bis sich die Landschaft in etwas aus Sanddüne und Lehmberg verwandelte – der Lehm hat viele interessante Färbungen und es gibt teilweise komplett roten. Das war nochmal anspruchsvolles Gekrakzel ,da jeder Regen es wieder anders ausspült. Dort konnte ich schon Fußspuren erkennen. Danach ging es noch einen etwas mit Gras bewachsenen Weg wieder runter zum nächste Strand.
Unten angekommen ging es noch schön am Strand entlang. Für noch ein paar Kilometer.
Irgendwann war dann nur noch das Suchen nach dem Marker für den Aufgang zur Campsite in meinem Kopf. Ich musste dann nochmal final einige Stufen hoch.
Oben angekommen habe ich dann schon eine Ansammlung von Zelten gesehen und einige bekannte Gesichter. Die Mädels aus dem Bus waren schon da plus zwei Frauen aus England. Wir haben dann alle unsere Sachen ausgepackt und geschaut was alles noch trocken ist und was nicht. Hat gut funktioniert bei mir. Ich habe dann mein Zelt aufgebaut, sodaß es nicht direkt in dem noch immer starken Wind steht.
Bei Mel ist wohl ihr Telefon in der Jackentasche von der Feuchtigkeit des Tages angegriffen gewesen und wollte nicht mehr angehen, daher hat sie mich um Reis gebeten um es etwas trockenen zu können. Sie war sichtlich angespannt.
Dann etwas essen, Stretching und siehe da zwei späte Neuankömmlinge. Ich habe sie erst nur aus der Ferne gesehen bis ich mit dem Dehnen durch war. Als ich zurück zur Schutzhütte bin, waren die beiden gerade dabei zwei Hängematten in den Baum zu hängen. Es lagen aber nur zwei ganz normale Tagesrucksäcke da. OK, entweder krasse Ultralight Thru-Hiker oder Verrückte. Es waren zwei Deutsche, die dieses Jahr ihr Abi gemacht haben und vollkommen planlos und unvorbereitet wandern gegangen sind. Zwei Hängematten, etwas Wasser, zwei Orangen, eine Dose Bohnen, eine Dose Mais und eine Dose Linsen. Eben alles was man für zwei Tage Wandern braucht. Der eine hat sein Telefon gleich im Auto gelassen, weil es nicht mehr tut und der andere ist mit dem fast leeren Akku losgelaufen. Auf jeden Fall ein interessanter Ansatz. Wir haben dann noch Essen für die zwei zusammengelegt und ihnen Wasser gefiltert. Die beiden waren jedenfalls sehr lustig drauf, ich bin froh das keiner in der Nacht erfroren ist mit den viel zu dünnen Schlafsäcken bei dem Wetter.
Am nächsten Morgen musste ich leider feststellen, dass die Idee, das Essen aufzuhängen gut ist, ich allerdings vorher schon meine neue Tagesration in die Fronttasche gepackt hatte. Dumm. Die Tasche war zum Glück auf, also habe sich die Mäuse oder Possums da nicht durchgefressen, aber die GoPro lag mit in der Tasche. Die dummen Viecher habe auch versucht die zu fressen, sie hat jetzt kleine Zahnabdrücke in der Gummierung und Kratzer. Drecks Viecher, echt. Auch den Müllbeutel haben sie angefressen. Gut, ich habe dazu gelernt und genug Essen habe ich sowieso, da ich ja ursprünglich für zwei Tage mehr geplant hatte. Und das auch eher üppig.
Wie alle anderen auch habe ich meine Unsicherheit, wie viel ich zu essen brauche, in Kilos verwandelt.
Zumindest der Schlaf mit Meeresrauschen war gut. 🙂
Mel ihr Telefon tut immer noch nicht, aber es zeigt zumindest wieder einen leeren Akku an, kann aber nicht laden und nicht starten. Sie ist also etwas verloren, ohne Navigation.
Also haben wir nach dem Frühstück alles zusammen gepackt und sind dann gemeinsam losgelaufen.

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