Jo’s Funny Farm to Waitomo

Am nächsten Morgen wurde ich von um meinen Kopf herum wuselnden Menschen geweckt. Kochen ab 6 Uhr war geplant. Aus der andern Gruppe hatte sich schon jeder eine Aufgabe gesucht und das Frühstück wurde gekocht. Ich habe mir dann noch zusätzlich eine Schüssel Haferflocken gemacht, das war auch nötig. Ich bin dann nicht als letzter aber recht spät gestartet.
Der Trail ging erst ein Stück über eine Schotterstraße bis er wieder in Wald und Wiesen überging. Plötzlich kam mir die Vierergruppe vom Frühstück wieder entgegen. Sie hatten einen Marker übersehen, passiert also nicht nur mir. Wir sind dann ein Stück zusammen gelaufen, Stev und Emma aus NZ, Conner aus Irland und Maja aus Deutschland. Insgesamt eine recht lustige Truppe, die auch viele Späße macht, Stev redet fast keinen Satz ohne irgendetwas Ironie oder nur halb ernstgemeintem. Ist manchmal im Englischen etwas hart da mitzukommen. Sie hatten sich dann vorgenommen für den Tag alle 5km eine kurze Pause zu machen, war ja auch ein längeres Stück, am Ende 37km mit 700hm rauf und 1000hm runter, aber der Weg war insgesamt gut.
Wie das bei einem langen Tag immer ist, man wird beim Pause machen überholt oder überholt wiederum andere. Manche laufen auch früher los sind aber langsamer. So zum Beispiel auch Katja. Sie hatte ich morgens nur kurz gesehen, weil sie im Zelt geschlafen hat und nicht beim Frühstück dabei war. Wir haben dann ein Weilchen geschnackt, sie kommt aus Leipzig wohnt aber in Berlin. Sie läuft wirklich recht langsam, deswegen hat das so nicht wirklich gepasst und irgendwann bin ich dann etwas weiter gezogen. Es gibt immer wieder Abschnitte, die anspruchsvolle zu laufen sind, da braucht man seine ganze Konzentration um zu schauen, wo man seine Füße hinsetzt und dann noch die Landschaft um einen herum wahrzunehmen. Es gibt auch Stücke, die besser zu laufen sind. Aber auch wenn es nur eine Wiese ist, ist sie deswegen ja nicht eben. Da sind dann Löcher, Absätze oder sumpfige Stellen dazwischen. Gerade bei dem ständigen Auf und Ab ist gerne in der Senke noch etwas Wasser.
Ein Teil des Landes wird von NZ Carbon Farming betrieben wohl mit dem Ziel Bäume zu züchten die viel CO2 aufnehmen. Was auch immer, aber in diesen Abschnitten wird extra darauf hingewiesen, dass man nicht vom Trail abweichen darf und Camping verboten ist, Pest Control in Action also viele Giftköder rumliegen und gejagt wird. Am späten Vormittag habe ich dann jemanden vor mir erspäht, man lernt ja mit der Zeit die Leute an ihrem Rucksack und der Farbe ihrer Klamotten zu unterscheiden. Den vor mir konnte ich nicht einordnen auf die Entfernung, aber er musste dann mal nach dem nächsten Marker Ausschau halten und hat angehalten. Wie sich dann herausgestellt hat, auch ein deutscher Sebastian aus dem Ländle. Wir haben dann kurz beraten, wie es wohl weiter geht und sind dann im Gänsemarsch weiter, weil der Weg so schmal war. Mit etwas Trink- und Fotopause hatte uns Katja dann wieder eingeholt, sie suchte nach einem schönen Platz für ihr Frühstück, kurz vor Mittag. Sie hatte dann etwas weiter einen alten Zaun zum Sitzen gefunden. Wir sind dann noch etwas weiter gezogen bis zum Airstrip, mit einer der höchsten Punkte für den Tag. Sebastian ist auch recht fix unterwegs, vor allem bergab. Da hatte ich nach dem langen Tag davor noch etwas mit zu kämpfen und habe lieber langsam gemacht. Er hatte sich dann auf einer Betonplatte am Airstrip niedergelassen, dahinter war das Dach des Schuppens, sodass man sich da anlehnen konnte, nicht ganz schlecht aber etwas windig. Die anderen sind dann nach und nach an uns vorbei gezogen. Sebastian ist dann auch los, da war ich erst halb mit meinem Müsli fertig. Nach dem Essen bin ich dann auch weiter, hinter dem Airstrip kam noch etwas Farm und dann wieder etwas DoC Land. Irgendwann hatte ich dann auch die Vierergruppe wieder eingeholt, die sich auf einem anderen Gipfel einen Platz im Rasen für ihre Pause gesucht hatten. Sie waren gerade dabei sich auf den Weg zu machen. Da die Sonne etwas hinter den Wolken hervor kam, hatte ich den Entschluss gefasst, mich nach dem Anstieg einzucremen. Stev war auch schon dabei, als ich oben ankam. Also habe ich mich eingeschmiert und wir sind dann gemeinsam weiter. Das meiste geht eh nur im Gänsemarsch zu laufen außer auf ein paar Farmwiesen. Meistens ist der Trail ungefähr zwei Füße breit.
Ich hatte dann irgendwann einen kleinen Vorsprung, warum auch immer, ich bin dann aber in meinem Tempo weiter bis ich an einen Bach kam, an dem ich zum Wasserauffüllen angehalten hatte, da haben mich dann die anderen eingeholt. Ein paar hundert Meter weiter mündete der Bach in einen Fluss, den man durchqueren musste. Die anderen waren am andern Ufer damit beschäftigt ihre Füße zu trocknen, ich bin einfach durchgelaufen, weil die Schuhe eh matschig sind. Ich habe kurz überlegt da zum Schwimmen reinzugehen, weil es eine tolle tiefe Stelle gab, aber es war mir inzwischen wieder zu bewölkt.
An einem Stück mit dichtem Farnbewuchs würde kürzlich erst gemäht, das war super, weil man beim Laufen den Weg sehen konnte. Mittendrin stand dann ein Spritkanister rum, der musste da schon ein paar Tage stehen, weil alles gemähte schon vertrocknet war. Leider sind sie mit dem Mähen nur ein paar hundert Meter weit gekommen danach war der Farn wieder kniehoch und man konnte den Weg nur erahnen. Da bin ich auch ein paar Mal gestolpert. Die Vierergruppe hatte dann wieder eine Pause eingelegt aber für mich sind diese kurzen Pausen irgendwie nichts. Ich laufe dann lieber mal ein Stück langsamer und esse dabei eine Kleinigkeit oder trinke was. Aber anhalten und mich hinsetzen und wieder aufraffen ist mir für ein paar Minuten zu doof. So kam es dann, dass ich alleine weiter und es auch bis Waitomo geblieben bin. Die letzten Kilometer waren wieder Straße.
Waitomo ist für seine Glühwürmchen Höhle bekannt, an deren Eingang bin ich auch vorbei gelaufen, da hattest es dann auch wieder Empfang. Ich dachte, wenn ich da eh vorbei komme, könnte man da ja mal rein gehen, aber auch hier alles mit Timeslots und ausgebucht. Kein Raum für Spontanität. Also weiter zum Top 10 Holiday Park, Sebastian war schon da, etwas länger. Er war wohl irgendwann ausgerutscht und hat sich auch einen Wanderstock zerbrochen, danach hat er sich geärgert und ist dann den Rest in einem Stück ohne Pause durchgezogen. Am Picknicktisch neben den Zeltplätzen saß eine Gruppe junger Erwachsener, zwei Jungs die etwas maorimäßig aussahen und ihre Freundinnen, die aber eher Europäisch aussahen. Die beiden Jungs kamen dann rüber und haben mich mit Kia Ora begrüßt, aber dann in deutsch weiter geredet. OK, ich war im ersten Augenblick etwas verwirrt. Wie sich herausgestellt hat, sind sie in Deutschland geboren, haben aber Maori Vorfahren und kommen von hier. Sie besuchen die Familie mit ihren Freundinnen und waren am Tag zuvor angeln. Cool, was man so alles erfährt.
Da ich mich am Tag zuvor einmal auf den Hosenboden gesetzt hatte, wollte ich die Hose jetzt mal waschen. Beim Trail Angel war das Waser ja begrenzt, der Holiday Park eher nicht. Es gab sogar einen Pool und Hot tub. Also einmal mit Klamotten unter die Dusche für die Vorwäsche und dann in meiner matschfreien Hose in den Pool. Meine andern Sachen hatte ich dann zum Einweichen in der Laundry im Waschbecken und daneben meine Seife stehen. Erstmal in den kalten Pool eine Runde schwimmen und die Beine abkühlen und dann in der hot tub aufwärmen.
Danach wollte ich dann die Wäsche waschen und mir noch im Laden gegenüber eine Milch fürs Frühstück kaufen. Leider war mein neues Seifen, Duschgel, Waschmittel Konzentrat verschwunden. Da war ich etwas angepisst, ich hatte es eben erst das zweite Mal zum Duschen benutzt.
Da der General Store nicht wirklich Auswahl hatte und super teuer war, eher wie ein Kiosk an einem Campingplatz, war klar, dass es fürs Abendessen irgendwo hin gehen musste. Sebastian war auch am überlegen, die Vierergruppe und das niederländische Paar hatten kein Interesse. Stevs Eltern waren mit dem Wohnmobil, hatte ich dann noch erfahren. Ich hatte Hunger und bin dann alleine Richtung Pub gezogen, Sebastian hatte ich nicht wieder gefunden.
Im Pub saßen die Maoribuben mit mehreren Leuten auch schon. Der Laden war gut besucht, die meiste Leute saßen draußen auf der Porch. Zum Bestellen muss man ja immer an die Theke und auf dem Weg dahin habe ich Katja an einem der Tische sitzen sehen. Sie ist erst ins Pub ein Bier trinken bevor sie zum Campingplatz ist. Wir haben dann kurz geredet, ich habe ihr gesagt, dass die Rezeption nur noch eine halbe Stunde auf hat. Wir haben beschlossen gemeinsam zu essen, aber sie wollte vorher noch zum Campingplatz, der nur 3 Minuten weg lag. Da hat mich dann ein Typ angequatscht als ich gerade die Karte lesen wollte, ob ich ein TA Hiker sei? Ja, sonst rennt hier keiner in so einem Outfit rum, viel zu funktional. Er wollte dann von mir wissen, ob ich eine Spritkanister am Wegesrand gesehen habe. Ja, habe ich. Er und sein Kumpel haben wohl dort gemäht und sein Kumpel hat den Kanister vergessen. Wir haben dann angefangen uns etwas zu unterhalten. Er macht das ehrenamtlich und pflegt den Trail. Einige der Treppen und Boardwalks, über die ich in den letzten Tagen gelaufen bin, hat er gebaut. Tolle Sache, ich habe ihm dann ein Bier ausgegeben, Speights ultra, kommt in der Liter Flasche, für mich habe ich einen Cider geholt. Naja, wir haben dann etwas länger gequatscht bis auch Katja frisch geduscht zurück kam.
Die Frau und Familie, die mit Pete im Pub war, hat sich irgendwann gewundert, wo er abgeblieben ist. Sie haben ihm dann seinen Burger zu uns an den Tisch gebracht. Da ist auch Sebastian aufgetaucht. Er hatte sich was zu Essen gekocht, hat sich dann aber noch eine Portion Wedges bestellt. Ich hatte eine Portion Rippchen, super lecker, aber ich hätte auch noch eine zweite gegessen. Mit dem ganzen Gequatsche war es dann recht spät mit Bestellen geworden und mit dem Essen noch später…
Der Wirt hat uns dann bei der letzten Runde aber noch mal große Gläser zum kleinen Preis gemacht 🙂


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