Heute morgen habe ich die bisher längste Zeit im Zelt verbracht. Ich kann ja nicht weiter bevor die Rally vorbei ist. Also ganz gemütlich im Zelt liegen bis die Natur was anderes verlangt. Danach habe ich dann etwas gelesen und ganz entspannt gefrühstückt. Dann ein bisschen Trail Notes gelesen und mal die nächsten zwei Übernachtungen geplant. Für morgen musste ich eh noch ein Boots Shuttle organisieren. Das macht der Betreiber des übernächsten Campingplatzes mit. Die Buchung für heute Abend hat reibungslos geklappt, aber die SMS an James wegen der Fähre ging einfach nicht raus. Channel hatte aber schon vorher mit ihm Kontakt, ich habe sie gebeten, ihm kurz zu schreiben, dass ich auch komme. Manchmal ist es gut, wenn andere Hiker da sind. Den ganzen Morgen, also bis etwa 9Uhr, war das Geheule der Motoren zu hören, dann Ruhe, weil die Strecke für eine Stunde wohl freigegeben sein sollte für den Verkehr. Was zu kurz war, es zu laufen. Ich habe dann kurz überlegt, ob ich das Zelt zusammen raffen soll, losspurte und dann irgendwo an der Strecke abwarte. Wenn es wirklich gegen 14Uhr fertig sein sollte, würde das theoretisch ja noch reichen, 5km/h sollten bei gutem Untergrund ja drin sein.
Also noch entspannt ein paar Eier gekocht, gelesen und dann gegen halb zwölf zur Straße, oder in dem Fall Rennstrecke, aufgemacht. Auf dem Weg dorthin kam ein Mann auf einem Kindermotorrad ohne Helm und in Gummistiefeln an uns vorbei, er machte langsam und fragte, ob wir uns die Rallye anschauen wollen. Blieb uns ja nix anderes übrig. Er ist dann weiter. Ich habe mich dann hinter dem Gatter mit dem Absperrband positioniert. Schräg gegenüber auf einer Anhöhe ist noch ein Helikopter gelandet, die reicheren Zuschauer wohl.
Es hat noch etwas gedauert, aber dann konnte man aus der Ferne wieder das Getöse der Motoren hören und hinter den Bäumen schon Staubwolken aufsteigen sehen. Erstmal ein paar Fotos aus der Nähe gemacht, der Wind hat zum Glück den Staub etwas auf die andere Seite geweht, aber ich mußte trotzdem nach jeden Auto das Display abwischen, weil es so gebremst hat beim Wischen auf dem Display. Dann habe ich mir mein Mittagessen geschnappt und bin etwas den Berg hinauf gelaufen um ein längeres Stück zu sehen. Dort habe ich gegessen und der Mann auf dem Motorrad kam wieder vorbei, also etwas länger geschnackt. Er hat sich offensichtlich über die Rallye gefreut. Es war der Farmer, auf dessen Land ich die Nacht verbracht habe und der für kostenloses Frischwasser sorgt. Es hat erzählt, dass es in freut, dass die Wanderer vorbei kommen. Er macht das gerne, denn er hat mehrere zehn tausend Dollar in die Pflege und den Ausbau des Trails gesteckt. Einfach weil er es gut findet. Der Weg nimmt ja jetzt die Umleitung über die Straße, weil das nächste Stück über Farmland und die Wälder nicht mehr passiert werden kann, weil, wie er sagt, die neuen Besitzer der Farm auf dem Weg einfach mal zu jemandem nein sagen wollten. Seine Nachbarn haben auch viel Geld in den Trail gesteckt und finden es nicht gut das die Wanderer jetzt über die Straße laufen müssen. Er meint aber, vielleicht haben sie sie in 2-3 Jahre soweit, dass der Weg wieder über die Farmen geht. Who knows. Er hat noch gemeint, wir sollen uns ruhig frei fühlen und uns auf den angrenzenden Wiesen gerne einen gute Platz zum Zuschauen suchen. So wichtig war mir das auch nicht.
Die Autos schienen aber nach Leistungsklasse gestaffelt gewesen zu sein, denn mit der Zeit wurden sie kleiner oder älter, also weniger performant. Zum Abschluss kam ein uralter Toyota Corolla Kombi (oder sowas) mit Sirene und gelben Blinklicht vorbei, der mich eher an die Ghost Busters erinnert hat, aber hinten mit einem Schild montiert „Road open“. Juhu, ab geht’s Rucksack auf und los.
Vor mit hat Channel losgelegt.. Sie hatte gesagt, dass sie die Straße schnell hinter sich bringen wollte – OK, ich habe versucht das Tempo mit zu gehen… ich bin ja nicht ganz langsam, aber sie hat sich mit der Zeit immer etwas weiter entfernt bis sie auf der kurvigen Straße nicht mehr zu sehen war. Gut, sie ist es von Berufs wegen ja gewohnt schnell und viel zu laufen, aber das Tempo war stramm. Ich habe sie dann nur noch in der Ferne auf ein paar langen geraden Stücke gesehen. Ich habe mich dann echt auf der Straße durchgebissen und denke, dass ich nicht so schlecht war. Unterwegs hatte mir dann noch Bruce geschrieben, er sei das Stück wohl noch am Abend zuvor gelaufen nachdem er das erfahren hat, also über 40km. Er ist dafür heute schon ein kleines Stück weiter und muss sich erstmal etwas ausruhen und geht ne kleine Runde Golf spielen (9 Löcher) und wir würden uns dann am nächsten Campingplatz sehen.
Ich habe natürlich das Schild für die Abzweigung zum Inlet Walkway total übersehen, weil es in meiner Laufrichtung genau so steht, dass ich auf die Seite drauf schaue, wenn ich nicht gerade nach hinten schaue. Ich habe mich dann beim Schild für den Campingplatz gewundert und das Telefon mit der Karte raus geholt. Puh, nur 300m zu weit gelaufen, also zurück und dann nochmal etwas unebenen Untergrund, Bäume, Bäche und Mangroven genießen. Es war noch nicht so spät, also habe ich hier etwas langsamer gemacht, aber ich habe da Hunger bekommen. Der Weg ist nur 1km oder so lang, aber sehr schön zum Abschluss. Man kommt dann von der Wasserseite über eine Wiese auf das Gelände. Ein Zelt stand da schon und Channel „Roadrunner“ war auch schon da und beim Zeltaufbau. Ich habe dann meinen Rucksack da abgelegt und bin unbeschwert zum Office getapst. Beim Einchecken hat der skurrile Typ dann gemeint, duschen kostet 1NZD für zwei Minuten… ich bin doch nicht in Holland oder auf einer Berghütte. Wirklich gut ausgestattet ist der Laden auch nicht. Weil ich doch etwas im Unterzucker war, habe ich schnell nachgeschaut, ob es einen Laden in der Nähe gibt und ja, direkt vor Ort am Campingplatz war der einzige im Umkreis von 25km, die 50m schaffe ich noch. Im Laden erstmal die abgefahren Preise angeschaut, aber ich komme zum Morgen noch wo anders vorbei. Also nur ein Eis und ein L&P eine neuseeländische Limo. Da ruft es nebenan aus einem Fenster „Snapper and Chips“. Mmh klingt besser als Glasnudeln mit Thunfisch, also habe ich das auch bestellt. Ich war auch echt begeistert, großes Stück Fisch in tollem Teig und die Pommes waren richtig knusprig, nicht wie bei den meisten anderen so lammelig. Nur die Sauce Tartare habe ich vergessen und Essig hab es irgend wie auch keinen. Aber ich hatte ja schon ein Eis zur Vorspeise 🙂
Nach meiner Bestellung wollte ich noch den anderen schreiben, dass es was zu Essen gibt, da ruft es „Last Orders“. OK, keine SMS. Tatsächlich habe ich drei Minuten vor Bestellschluss bestellt. Es war wirklich gut.
Dann doch noch duschen…
Das andere Zelt auf dem Platz gehört zu der Niederländerin, die beim Kayaken dabei war. Sie ist die Straßen per Anhalter gefahren und nur durch den Wald gelaufen. So kann man es auch machen. Langsam habe ich aber das Gefühl, ich möchte den Weg schon ganz gehen. Mal schauen wie das in ein paar Tagen aussieht…


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