Nun war er also gekommen, der große Tag des Tongarioro Crossing, bei der letzten Reise ist dieses wegen schlechten Wetters ausgefallen. Das Crossing ist auch besonders exponiert und das Wetter kann sich schnell ändern. Wir sind dann kurz vor 6 los gelaufen, erstmal die 7km bis zum Parkplatz. Es fährt auch ein Bus, aber Steve ist wie man hier sagt Purist, also jemand der alles laufen will. Ich habe mich dann für den Tag an die Gruppe gehängt, Steve und Emma sind das Crossing als Kiwis schon Mal gelaufen.
Am Parkplatz wurden wir von einem Schild nochmal davor gewarnt, dass es aus dieser Richtung 350hm mehr zu erklimmen sind. Es sind auch nur wenige Leute, die es von Norden nach Süden laufen, die Touristenvariante ist vom Süden nach Norden, da dort die Steigung geringer ist. Das passt allerdings nicht in den TA.
Am Anfang ging es noch durch einen Wald, der Weg ist ein Great Walk und dementsprechend mit Schotter und Stufen sehr gut ausgebaut.
Man kann sagen, es gibt eine Baum- und eine Buschgrenze, an der Baumgrenze haben wir eine kurze Pause gemacht. Danach ging es durch kleine Büsche und Tussok Gras. Mit toller Sicht auf die Seite des Berges und den Qualm aus den heißen Quellen. An der letzten Toilette vor dem Plateau kam uns dann der erste Mensch entgegen, ein Trail Runner, der meinte, er braucht ca 2 Stunden um dort hin zu kommen. Respekt, dass ist nicht einfach.
Wenn man oben angekommen ist, gibt es mal wieder Toiletten 😉 Es hängen zwar noch ein paar Wolken am Horizont aber die Aussicht ist schon gut, die Sonne hat die meisten Wolken am Berg weggebrannt, zum Glück. Der Wind oben auf dem Berg ist allerdings ordentlich stark. Perfekt um beim Segeln richtig vorwärts zu kommen, aber hier oben muss man aufpassen, dass er einem nicht die Wanderstöcke zwischen die Beine weht. Da wir vom offiziellen Ende des Weges gestartet sind, gibt es erst Aussicht auf den Central Crater, eine eindrucksvolle Ebene, die sich da zwischen den Bergspitzen gebildet hat. Man läuft dann an einem Felsvorsprung vorbei und bekommt einen Blick auf den Blue Lake. Der war heute wegen des Windes nicht ganz so ruhig. Am See geht es dann seitlich vorbei runter in den Krater, hier ist der Weg eben und besteht aus einer Art Vulkangesteinssand. Nach dem Krater gibt es eine Abzweigung zum Northern Circuit. Die haben wir bis zum Emerald Lake genommen, dort haben wir uns in einer Senke einen etwas windgeschützten Bereich hinter ein paar Felsen gesucht. Ich bin dann ohne Rucksack noch ein paar Meter für einen Blick den Berg herunter Richtung Northern Circuit gelaufen. Da kam mir jemand entgegen und ich habe einen unbedachten schnellen Schritt zur Seite gemacht und wums da lag ich zwischen den ganzen Steinen. Meine erste schlechte Erfahrung mit dem Scree, dem rutschigen runden Vulkangestein. Ein bisschen die Klamotten aufgewetzt und ein paar Schrammen am Unterschenkel… Brennt gut aber die Hose wollte ich auch nicht ausziehen wegen den paar Kratzern.
Beim Mittagessen haben wir dann in der Ferne am Aufstieg zum Gipfel ein paar der anderen TAler gesehen. Der Aufstieg ist recht steil und der Scree läuft sich wie eine Sanddüne. Man setzt einen Fuss irgendwohin und weiß nicht, ob man rutscht oder nicht und das ganze steil bergauf gegen den inzwischen eingesetzten Touristrom. Einiger der Leute, die uns entgegen gekommen sind, haben den Abstieg halb auf dem Hosenboden rutschend verbracht. Viele sind auch gerutscht und auf dem Hintern gelandet.
Wenn man es dann doch hoch geschafft hat, ist es die Aussicht doch wert. Die Farben der Emerald lakes auf der einen Seite, die rötlichen Gesteine auf der nächsten und dann noch der Schicksalsberg, die beiden Krater und das eher flach wirkende Umland. Aber sehr windig heute. Ohne Regenjacke wäre es einfach viel zu kalt.
Der Abstieg auf der anderen Seite ist nicht so weich vom Untergrund her aber der Scree auf der Oberfläche macht es schwierig und rutschig. Zwischendurch sind immer wieder Steine und Felsen. Von dort gelangt man in den South Crate, hier ist es durch die umliegenden Felserhebungen windstill. Auch hier ist der Untergrund eben und weich. Am anderen Ende sind mal wieder Toiletten. Danach kommt man zu einem Feld aus großen Lavasteinen und kleinen wie Schotter dazwischen. Dort kommt man dem Mt. Ngauhruhe wie der Schicksalsberg eigentlich heißt am nächsten. Dort bin ich dann noch etwas in Richtung des Berge abseits des Weges den Berg hochgelaufen. Ich hab ja eine Mission, einen Ring zum Berg zu bringen. Das habe ich dort erledigt. Danach hatte ich das Problem wieder zurück zum Weg zu kommen. Zum Berg ist einfach, großer Referenzpunkt, aber der Weg war nicht zu sehen. Ich bin dann einfach mal in Richtung ‚kein Berg‘ gelaufen und musste dann ein paar Felsen herunterklettern, aber ich habe den Weg wieder gefunden, weit vor mir war der Rest der Gruppe. Das war aber vollkommen gut so, so hatte ich noch ein bisschen den Berg für mich alleine. Es kamen jetzt auch nur noch vereinzelt Leute auf den Berg hoch, es hatte da auch angefangen hinter mir sich etwas zuzuziehen. Die Leute die jetzt noch hochlaufen werden nicht mehr so viel Aussicht haben.
Auf dem Weg runter hab ich dann noch Cristina aus der Schweiz getroffen, sie aber dann auch wieder aus den Augen verloren als sie kurz Pause gemacht hat. Der Abstieg geht dann recht flach und lang durch ein Tal, auf der einen Seite gab es noch einen kurzen Abstecher zu den Sodasprings, ein kleiner Wasserfall. Cool, aber nicht spektakulär. Danach ging es einige Kilometer auf recht gut ausgebautem Weg teilweise mit Boardwalks durchs Tal. Hier bin ich recht zügig vorangekommen. Es gibt dann die Abzweigung zu eine DoC Hut und Campsite hinter der auch der Parkplatz liegt und den anderen Weg nach Whakapa Village. An der Abzweigung haben die anderen eine Pause gemacht und ich habe sie wieder eingeholt.
Danach hat die Qualität des Weges wieder abgenommen und er wurde schmal, tief mit Kletterpassagen und etwas wilder. Das waren nochmal einige Kilometer und wir sind im Gänsemarsch dann ein paar Stunden hintereinander gelaufen. Kurz vor dem Village wird er Weg dann wieder besser und man trifft Tagesausflügler, die eine kleinen Loopwalk zu einem Wasserfall von dort laufen können Der Weg am Ende ist dann wieder Teil des Northern Circuit und ein Great Walk. Damit auch Teil meines Weges am nächsten Tag. Aber erstmal müssen wir am Holiday Park ankommen, was wir auch geschafft haben. Vor der Rezeption haben wir dann Jack und Kathi getroffen und als Gruppe war es günstiger einen ganzen Dorm in der Lodge zu mieten als einzelne Betten, es sollte die Nacht ja stark Regnen. Wir haben uns dann jeder noch ein Bundaberg gegönnt und haben die verschiedenen Geschmacksrichtungen gegenseitig geteilt zum probieren, Guave ist ziemlich lecker.
Steves Eltern haben wir dann schließlich auch noch gefunden um unsere Sachen abzuholen, die wir am morgen im RV eingelagert hatten. Der Campingplatz hat eine Badewanne, Wahnsinn. Da ich der einzige war, der am nächsten Tag vor hatte weiter zu wandern, hat kein anderer Anspruch erhoben. Die anderen haben sich noch DVDs an der Rezeption ausgeliehen für den regnerischen Pausentage. Nach dem Bad hatte ich dann endgültig Hunger, leider wollte keiner der anderen etwas essen gehen, also musste ich alleine gehen. Die anderen wollten zum Frühstücksbuffet. Ich hatte dann eine Pizza, gibt es hier fast überall auch glutenfrei, das ist mein erstes Essen in einem richtigen Restaurant so mit Tisch, Messer und Gabel. Sonst war alles andere eher Takeaway oder Barfood. Das tolle an dem Campingplatz ist außerdem der Trockenraum, da es ein Skiurlaubsort ist. Das ist perfekt für Menschen mit Merino Klamotten, die man sonst nur schwer trocken bekommt, wenn es nichts zum aufhängen gibt.
Nach dem Restaurantbesuch habe ich dann noch etwas mit den anderen im Gemeinschaftsraum gesessen aber ich war schon so müde, dass ich mich nicht mehr an den Film erinnern kann den sie noch geschaut haben.

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