Heute ein Tag mit Zwischenziel. Der Morgen hat heute schon früh angefangen, nämlich als ich mit Schmerzen an der Hüfte aufgewacht bin. Anscheinend hat meine Isomatte ein Loch oder so und verliert ganz langsam Luft, so ein Mist. Daher lag irgendwann meine Hüfte auf dem Boden während der Rest auf einer wabbeligen Unterlage schwamm. Naja, macht nix, dann entspannt frühstücken und versuchen das Loch zu finden. Leider kein Loch gefunden. Ich habe dann gemütlich zusammen gepackt und bin dann um kurz nach sechs los. Sobald ich Empfang hatte, ging das Lauftempo runter. Ich habe erstmal versucht, Nachrichten zu beantworten. Dann müsste ich mir Gedanken machen wie es weiter geht. Bei meinem Zwischenstopp heute muss ich Essen für die nächsten 10-12 Tage kaufen und dann aufteilen 3-4 bis zum Tongariro Crossing, danach eine Lieferung vom Kanuverleiher für die Round the Mountain tour und dann sind es zwei Tage bis zum Kanu und 4-5 Tage Kanu fahren. Genau wer mitgezählt hat, dem ist aufgefallen, dass ich die zwei Tage bis zum Kanufahren vergessen habe. Aber das ist mir natürlich erst abends aufgefallen. Morgens war alles noch gut und bisher hatte ich immer mehr Essen am Ende übrig als geplant. Ich hoffe das geht auch so auf.
Jedenfalls bin ich dann weiter gelaufen und irgendwann in eine Marae eingebogen, es sah aus wie in einem verlassenen Kinderfreizeitpark mit Schmalspurbahn , Karussell und Seerosenteich. Dazu heruntergekommene Gebäude, ich war mir nicht sicher ob ich hier richtig war. Dann kam aber tatsächlich so ein kleines Bähnchen angefahren. Darauf sah David, mit ihm habe ich mich dann etwas unterhalten und gefragt was das für ein Ort ist. Es ist ein Ort erbaut von der Gemeinschaft für alle. Also eine Art Kommune ohne spirituelle Anteile, wer dort leben will kann das tun und den Ort mitgestalten. Es gibt wohl ein paar Regeln, aber er meinte, sie bewerten die Menschen nicht es geht darum in Harmonie zusammenzuleben. Sie veranstalten wohl ab und an Treffen mit anderen, auch mit den Schmalspur Bahnen. Er meinte, sie hätten die längste Schmalspurbahn der südlichen Hemisphäre. Ob das stimmt, keine Ahnung, aber sie sei wohl über 4km lang. Das Gelände war auch riesig. Also bin ich weitergezogen und habe gemerkt, dass es gar nicht der offizielle Weg ist sondern das mich der Autorouter in die Irre geführt hat. Aber eine nette Unterhaltung.
Ich bin dann weiter nach Taumaranui. Ein paar aus der anderen Gruppe hatten geschrieben, dass sie gegen Mittag auch in der Stadt sind. Wir haben uns dann zum Mittagessen verabredet und sind danach zum Einkaufen losgezogen. Da sind wir den beiden von der Campsite in die Arme gelaufen, mit denen ich ja zusammen einkaufen wollte. Sie haben dann gemeint, dass sie ihr Zeug gerade dem Typen vom Kanuverleih übergeben haben. Na toll, ich hatte noch geschrieben vorher, aber das hatten sie nicht gelesen, aber selber sind sie auch nicht auf die Idee gekommen sich zu melden. Naja, also ist der Kanuverleiher zweimal dorthin gefahren, da will man mal schlau sein. Der andere Kanuverleih hat den anderen einfach Uhrzeit und Treffpunkt genannt. Wahrscheinlich habe ich doch den unorganisierteren gebucht.
Beim Einkaufen schrieb er jedenfalls dann ‚bin in 20min da‘, also bin ich hektisch durch den Laden gerannt und habe versucht zu erraten, was ich alles brauche. Wahrscheinlich werde ich etwas abnehmen die Tage…
Danach habe ich mir nochmal was zu Essen auf die Hand geholt und etwas fürs Abendessen. Ich muss ja noch zehn Kilometer laufen. Aber erst musste noch Treibstoff für den Kocher her, da meiner langsam zur Neige geht. Im Kanu ist es ja kein Problem, wenn es was schwerer ist. Aber der New World hatte keinen mehr. Als ich aus dem Supermarkt bin, hat mir ein Typ im weißen Pickup zugewunken. Dem habe ich kurz Hallo gesagt, Essen für mehrere hundert Dollar ins Auto geladen und gesagt, dass ich morgen auf dem Weg bei ihm vorbei komme um das alles aufzuteilen. Zwei SMS und 10 Sätze, schon komisch im Nachhinein wie vertrauensselig man sich hier doch manchmal verhält. Genau so wie mit meinen Wanderschuhen, die ich hoffentlich bald in Empfang nehmen kann. Die alten sind echt durch, ich rede mir zwar immer ein, die gehen ja noch, aber sie fallen wirklich bald auseinander und vor allem ist die Sohle und Dämpfung schon ziemlich hinüber.
Auf dem Weg aus der Stadt habe ich dann an einer Tankstelle noch meinen Spiritus bekommen. Heute waren ein riesen Haufen Hiker in dem Ort. Einige der Hiker hinter mir sind heute Mittag mit dem Shuttle angekommen und haben den Weg vom Timbertrail zur Stadt übersprungen somit waren ein Haufen neuer Gesichter in der Stadt und bestimmt 25 Leute, die heute ihr resupply bei dem Supermarkt gemacht haben und die kaufen hier ja alle eine Menge ein.
Ich bin dann gegen 16:30 los gelaufen. Die Besitzer der Lodge hatten geschrieben, dass sie erst spät zurück sind und ich sollte mich doch heimisch fühlen.
Die Lodge ist ein altes Youth Camp umgeben von Pferdekoppeln, es ist wie das betreten einer Zeitkapsel. Alles sieht wie vor 20 oder mehr Jahren aus. Die Besitzer sind nicht da, auch keine anderen Gäste wie es scheint. Daher habe ich den ganzen Laden für mich und kann mich ganz in Ruhe organisieren. Duschen, waschen, essen.
Recht spät ist dann noch einer der Besitzer aufgetaucht, ein junger Mann.Er und sein Partner, dessen Familie das Gelände wohl gehört, züchten hier Pferde und bilden sie aus. Das alte Gebäude habe sie diese Saison angefangen für TA Hiker zur Verfügung zu stellen. Sie wollen den Kanuverleihern keine Konkurrenz machen, freuen sich aber trotzdem, wenn jemand kommt. Gestern waren wohl drei TA Hiker hier. Naja, es ist mal wieder spät und ich wollte doch nicht so spät los.

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