Trotz des noch nassen Zeltes und des späten Schlafens war der morgen ganz ok. Ich bin zwar nicht so früh los gekommen wie ich gerne wollte, aber OK. Ich habe morgens noch Amy vom Hof laufen sehen und Kass beim Frühstücken. Dann bin ich selber los. Die Nacht war dann doch noch unbeständig und es hat hin und wieder etwas genieselt.
Aber zumindest die Beine fühlen sich nach so einer Pause auf den ersten Kilometern immer besser an. Von der Campsite, die ja fast direkt am Strand lag, ging es dann eine kleine Straße bis zu einer Kreuzung, die ich recht lang sehen beim konnte, aber da waren kein Auto. Von dort per Anhalter weiter zu kommen dürfte dauern.
Ich musste aber nur geradeaus drüber und dann durch den Miniort bis zu einer Einfahrt, dort rein und dann ging es seitlich am Haus auf eine Wiese miit wadenhohem nassen Gras, die Füsse waren jetzt jedenfalls erfrischt. Dann ging es über Wiesen den Berg hinauf bis man oben vor einer Weide mit Koppeln stand. Da stand Lena etwas in ihr Telefon vertieft. Wenn sie nur kurz da gestanden hätte, hätte ich sie schon vorher gesehen, ich war also etwas verwundert und hab erstmal Hallo gerufen. Wir sind dann zusammen auf die Weide mit den Kühen und Kälbern, als sie meinte, sie hätte ja ein bisschen Schiss und es wäre ja schon besser zu zweit. Vielleicht hat sie vor der Weide auch gewartet, aber ich habe nicht gefragt. Wir habe uns kurz versucht zu unterhalten, was aber wegen des Hintereinanderlaufens auf dem schmalen Weg nach der Koppel nicht wirklich funktioniert hat. Ich war dann auch einen Ticken schneller als sie. Wegen des Regens am Tag zuvor war es hier schon etwas matschig und rutschig aber nicht besonders dramatisch.
Die Farm war dann irgendwann zu Ende und man ist von dem Weidezaun in einen Wald gekommen. Man ist da aber schon auf der Gratline gelaufen.
Im Wald kamen dann erstmal nur ein paar matschige Stellen, aber das Laufen ging noch super.. je tiefer man in den Wald kam und um so höher es wurde, desto matischiger und rutschiger wurde es. Der erste Teil des Tages ist der Mt Tamahunga Track. Dort sind uns dann, weil Samstag war, auch noch zwei Freiwillige des Tamahunga Trappers Vereins entgegen gekommen. Der Erste hat alte Possumfallen eingesammelt und die Zweite war mit einem Peilgerät auf der Suche nach Kiwis, die sie dort ausgesetzt haben.
Highlight für den E-Techniker war natürlich, dass man direkt am höchsten Punkt an einem Wetterradar vorbei läuft. Gut, das sieht ganz schön in die Jahre gekommen aus, aber das würde auch die schlechte Auflösung der Wetterradardaten erklären.
Gegen Ende des Tracks gibt es ein paar schöne Grasflächen und es geht etwas begab. Das war ein recht gut zu laufender Weg. Naja, bis zu dem Moment als es mich an einer Stelle schön hingebrezelt hat. Einfach den Standfuss weggezogen und schön seitlich Richtung Abhang auf dem Wanderstock gelandet. Der lässt sich jetzt an drei statt zwei Stellen falten. Das Knacken des Stock habe ich noch gehört bevor ich am Boden zum Stillstand gekommen bin. Ich bin noch so einen knappen Meter in einen Strauch gerutscht. Das ist natürlich sehr ärgerlich. Wenn einem die Zeltstange fehlt. Ich habe ja noch ein paar Stunden mir zu überlegen, wie das ohne vielleicht geht. Mir ist zum Glück nix passiert außer einem matschigen Hosenboden und Rucksack. Vielleicht noch das Ego etwas angekratzt. Gerade an einer Stelle, an der es nicht so matschig ist, wird man natürlich unvorsichtig.
Einige Meter danach ging es wieder auf eine Gravelroad, die geradewegs so 3km ungefähr wieder nach oben ging. Dort gab es ein paar Stufen, auf denen ich dann meine Mittagspause verbraucht habe. Gerade beim Wrap mit Käse belegen kommt ein Auto vorbei und mir winkt diese Lena zu. Sie hatte sich per Anhalter zum Trailhead fahren lassen. Kann man machen. Die Stufen gingen nur ein paar Meter durch ein Gebüsch, wo die Straße eine Kurve macht und ich konnte das Auto dort anhalten hören.
Der Dome Valley Track beginnt mit einer der typischen Schuhputz Stationen wegen des Kauri dieback. Erstmal alles ok, aber der Matsch und die rutschigen Stellen auf dem steilen Auf und Ab haben dann zugenommen und das Tempo ist stark nach unten gegangen. Nach 2.5km gab es eine Abzweigung zu einem Bypass über eine Forststraße, da habe ich dann meinen neuen Wanderstock gefunden, eher so Gandalf Style. Wiegt gefühlt 3kg, aber besser als mit einer leeren Hand im Matsch unterwegs zu sein. Der Stock hat sich auch echt bewährt. Es ging die Gratline etwas auf und ab bevor es zu einem kleinen Fluss runter ging . Die ganze Aktion war da schon ganz schön anstrengend. Meine Wasservorräte gingen auch langsam zur Neige, viel war nicht mehr übrig. Aber das Wasser im Fluss hatte wegen des vielen Regens echt viel Sediment und war eher gräulich wie der Lehmboden hier. Das hat mich nicht überzeugt, mir meinen Wasserfilter damit zu verstopfen. Es ging dann noch ein Stück an dem Fluss entlang und ich habe mir ein paar Zuläufe angeschaut, die aber auch nicht besser aussahen.
Irgendwann kam dann die Flussüberquerung. Ich habe nur Farben zwischen den Bäumen gesehen und mich gefragt, ob es Amy ist, aber es war jemand den ich gar nicht kannte. Es tauchen auch immer wieder neue Leute auf.. Das hier war Liz, auch aus Deutschland, die gerade Wasser filterte. Beim Flussüberqueren sind wenigstens die Schuhe sauber geworden. Wir haben uns kurz unterhalten, dann bin ich weiter. 50m später stand ein Longdrop (Klohäuschen), wie praktisch so im nirgendwo, als erstmal drauf. Da hatte ich den Rucksack eh schon mal abgesetzt, also doch nochmal zurück und zumindest einen Liter Reserve einpacken – ungefiltert.
Dann wieder stramm den Berg rauf und der Weg wurde schwieriger, anstrengender und rutschiger, stellenweise auch sehr matschig. Inzwischen wurde es auch spät. Mein Plan per Anhalter bis Warkworth zu fahren und wieder zurück, damit ich mir was zu essen besorgen kann, wurde immer unrealistischer. Mein sauberes Trinkwasser wurde weniger und die Tagesration an Sacks war auch aufgebraucht, genau wie meine Energie. Aber da schlummerte noch ein Squeeze Beutel Erdnussbutter in meiner Tasche. Lange nicht angerührt, weil ich nicht so auf Erdnussbutter stehe. Astronautenmäßig habe ich mir dann was in den Mund gedrückt und es 10 Sekunden später beim Versuch es zu schlucken bereut. Es hat mir den Hals verklebt… Wasser löst fett aber auch nicht gut 🙁
Auch das habe ich überlebt, es sind ja nur noch ein paar Kilometer… Aber auch 4km können sich ziehen, wenn man nur mit 1 – bis 2,5 km/h vorwärts kommt. Es war mehr Klettern, Balancieren, Hüpfen und Turnen als Laufen.
Aber auch das ging mal vorbei. Die letzten paar hundert Meter sind super ausgebaut, da steht auch ein Warnschild, dass der track danach nur noch ‚tramping track‘ ist und man eine gut bis sehr gute Kondition haben sollte. So habe ich mich da nicht mehr gefühlt. Zum Glück kam dann noch ein Aussichtspunkt mit toller Aussicht und auch mit Sitzgelegenheit, die erste ohne Matsch seit dem Longdrop.
Jetzt musste ich doch noch den Wasserfilter rausholen und was trinken. Meine Flaschen war schon leer.
Von da ging es ein paar hundert Meter sauber ausgebauten Weges bis zum State Highway 1, den man schon gut hören konnte. Noch eine Schuhputz Station, eigentlich ganz praktisch, wenn man so eingesaut ist und versuchen will per Anhalter zu fahren. Als ich am Schrubben war, kamen Liz und Amy hinter mir an. Ich bin dann schon mal den Daumen raushalten gegangen, während die noch Schuhe putzen. Natürlich erfolglos..
Die Mädels kamen und 5 Minuten später hat ein Typ in einem 5er BMW angehalten, er würde uns alle drei mitnehmen. Er stieg dann durch die Beifahrertür aus um ganz viel Zeug in der Kofferaum zu räumen, mit dem fetten Bass war da jetzt kein Platz mehr für Rucksäcke. Er hat dann erklärt, daß es das Auto seines Sohnes ist und er immer so ein Chaos mit sich herum fährt. Die Türverkleidung an der Fahrertür fehlte aber Hauptsache ein strammes Fahrwerk 😉
Wir haben uns dann mit unseren Rucksäcken da rein gezwängt, waren ja nur 2km bis zum Campingplatz. Ich bin dann auch dort ausgestiegen, weil es einfach schon zu spät war. Der nette Mann an der Rezeption hat uns dann eingecheckt und gleich erklärt, dass der Campingplatz gerade erst übernommen wurde und etwas heruntergewirtschaftet sei und wegen Renovierungsarbeiten derzeit keine Cabins verfügbar sind. Als erstes haben sie jedenfalls die Hompage renoviert, die sah toll aus. Ich habe dann nach einer Einkaufsmöglichkeit gefragt, aber der Gute ist gerade erst aus der Stadt zurück gekommen. Er fragte dann was ich brauche, eigentlich egal, aber Vitamine wären super. Später hat er mir dann noch einen Beutel mit etwas Obst geschenkt, super nett. Er hat mich dann noch interviewed, was er denn so bevorraten sollte um es an hungrige Hiker zu verkaufen. Er wurde wohl schon öfters danach gefragt.
Erst mal Zelt aufbauen (mit ausgeliehenen Wanderstick), duschen und essen. Die ganze Campsite war zum einem schon recht runtergekommen und von Anfang an nur zusammen geschustert. Diese Glasfaserduschwanne, also ein Teil von Boden bis über den Kopf, war nicht breit genug um sich darin umzudrehen ohne das der ganze Duschvorhang an einem klebte. Die dazu gebaute Schiebetür hat ein Spaltmaß, dass man sie besser offen gelassen hätte. Aber egal, das Wasser war warm und es gab genug Seife, um den Matsch los zu werden. Danach noch meine Reste an Polenta mit zwei Karotten aus dem Beutel vom Campingplatzmann zu einer Art Suppe verkocht und gegessen. Es sollte eigentlich eine festere Konsistenz haben, aber ich habe meinen Rest Polenta wohl überschätzt. Die Küche war auch eher von der Sorte Basic, mit dem Warnhinweis immer nur einen elektrischen Verbraucher einzuschalten, weil sonst die Sicherung fliegt. Lichtschalter gab es in dem Sinne auch nicht, alle Steckdosen und elektrischen Verbraucher haben hier einen Schalter und an der Decke hing halt ein Baustrahler, den man am Schalter der Steckdose bedient. That’ll do, eben wie der Kiwi sagt. Gegessen habe ich dann mit Liz im kleinen Vorraum der Duschen und Toiletten, in dem drei Sofas, ein nicht funktionierender Kühlschrank, defekter Fernseher und ein Campingtisch standen. Nicht hübsch aber wenigstens kein Matsch.
Dann war auch schon Bettzeit.


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