Das war eine nicht ganz so angenehmen Nacht im Haka House in Paihia. Morgens war das schlecht belüftete Zimmer wie eine Sauna und der komische wahrscheinlich Engländer hatte einen Wecker für halb sechs gestellt um alle aufzuwecken und dann noch dreimal Snooze zu drücken um dann um zehn vor sechs pieseln zu gehen. Danach hat er sich dann wieder hingelegt, was ein Depp. Egal, ich will mich nicht über Idioten ärgern, die ich nie wieder sehen. Dafür habe ich erstmal geschaut, ob der Idiot die Wahl gewonnen hat, hat er, so ein Mist! Ich habe heute das erste Mal Nachrichten gelesen seit ich in NZ bin. Schade, dass da so gut wie nie was positives drinnen steht.
Die Ladies waren schon am frühstücken, als ich mein Zeug aus dem Dorm in den Gemeinschaftsraum geschleppt habe um die anderen nicht zu stören. Es gab Instant Coffee im for free Regal, ist OK aber naja.
Essen, Sachen sortieren, packen und los. Heute ganz hikeruntypisch in meinen Barfußschuhen. Ich bin dann noch schnell in die andere Richtung zum Briefkasten gelaufen. Auf dem Rückweg sind mir Juliette, Jillian und Anni über den Weg gelaufen – in Flipflops, aber mit Wanderstocken, ein komisches Bild.
Beim Kayakverleih haben wir dem Kayakverleiher Nick unsere Rucksäcke gegeben damit er sie ins Auto packt. Er hat jeden Rucksack wegen Gewicht und Größe lustig zu den Personen kommentiert. Dann ging es mit wasserdichten Packsäcken mit Snacks und dem nötigsten bewaffnet zu den Kayaks, wo es eine recht lustige Einweisung gab. Danach dann ab aufs Wasser, es waren perfekte Bedingungen, leicht bewölkt, sodass ein wenig die Sonne zu spüren war ,sie aber nicht runter gebrannt hat und dazu kein Wind, das Wasser also fast spiegelglatt. So hat es wenig Kraft gekostet zügig vorwärts zu kommen. Wir sind mit neun Leuten gestartet, sieben davon kannte ich schon, heute sind zwei andere Mädels dazu gekommen, Cheryl und Jenny aus Kanada und Holland.
Wir waren dann zügig und unter völliger Missachtung aller Vorfahrtsregeln auf dem Wasser unterwegs. Auf einer kleinen Insel an deren Strand wir ungefähr auf halben Weg pause gemacht haben. Da haben wir Nick Bescheid gegeben, dass er ungefähr weiß, wann wir am Ziel ankommen. Wir sind ja nicht auf dem offenen Meer gewesen, sondern einen Meeresarm landeinwärts gepaddelt. Bruce, der jeden Donnerstag morgens zum Kayaken geht, hat es also wie jede Woche gemacht, nur dass er in seinem einenen Kayak schneller war als alle andere. Dafür hat er ein bisschen Coaching betrieben und uns glaubhaft versichert, dass wir es gut machen. Wir waren dann auch schon um kurz vor elf an der Sliprampe, an der wir mit Nick verabredet waren, dort waren allerdings nur ein paar lokale Angler.
Wir haben ihn dann angerufen und er war wohl etwas verwundert, dass wir schon da sind, er hat wohl gerade seinen Kaffee getrunken. Gut, eine halbe Stunde später war er dann mit Wasser zum Flaschen auffüllen und Schokolade für alle da.
Wir haben dann das Schuhwerk gewechselt und uns von denen verabschiedet die nicht mehr so weit laufen wollten. Es waren nur 18km, alles Straße, also vielleicht 4km geteert und der Rest Schotter. Auf dem längsten Abschnitt durch einen schönen Wald gab es nicht mal Verkehr. Sehr angenehmes Laufen, allerdings sind die Kurven hier teilweise echt steil und so ist es mir passiert, dass ich einfach auf dem losen Schotter seitwärts weggerutscht bin. Fast habe ich mich auf die Nase gelegt, konnte mich aber gerade noch so abfangen und habe mich nur sanft mit den Händen abgefangen ohne mich zu verletzen.
Channel und Bruce sind mit etwas Abstand als erstes los gelaufen , nach ein paar Kilometern hatte ich dann Channel eingeholt, während ich gerade etwas Musik gehört habe. Wir haben dann ‚Hallo‘ gesagt und das typische ‚wo kommst du denn her‘ ausgetauscht und ich habe sie auf ihren Rucksack angesprochen, weil es der erste auf dem Trail ist, den ich sehe, der kleiner als meiner ist – 48L. Das Mädel hatte ein gutes Tempo drauf und ihr schien der Anstieg auch nicht wirklich was auszumachen, ich bin da schon am schwitzen gewesen. Sie hat dann erzählt womit sie ein Stück nördlich vom Vancouver, nur 8Std Autofahrt, ihr Geld verdient. Sie ist Saisonarbeiterin und pflanzt Bäume. Ich war erstmal etwas irritiert ob sie mich veräppeln will. Aber nein, sie läuft wohl seit einigen Jahren durch kanadische Wälder und pflanzt Bäume. Sie ist es also gewohnt den ganzen Tag irgendwo mit Gepäck rumzulaufen, ich denke damit ist sie die am besten trainierte was diesen Lebensstil angeht – hastag vanlife…
Mobilfunkempfang ist 3Std Autofahrt weg. Aber das macht sie ja nur im Sommer. Schon abgefahren womit man sein Geld verdienen kann. Sie hat das angefangen um sich ihr Studium zu finanzieren. Noch macht es ihr Spaß und sie verdient wohl so gut, dass sie im Winter verreisen kann. Spannende Sache.
Ich musste dann eine Biopause einlegen und sie ist dann weiter. Waren aber nur noch wenige Kilometer bis zur Campsite.
Die Campsite heißt ‚The Farm‘ und ist eine lustige Mischung aus Kälberzucht, Pferdehaltung, Ausbildung, Genesung, Reitunterricht, Coffee Shop, Hostel, Zeltplatz und Yoga Studio. Klingt erstmal nach einer wilden Mischung, fügt sich aber ganz nett zusammen. Sie haben hier um die 20 Wwoofer, die auch so halb das riesige Hostel Haus bewohnen. Es hat zig Bäder, zwei Küchen und allerlei andere Räume und kleine Hütten, Hängematten, Sofas, Hunde, Katzen…. Alle super nett und freundlich. Ich habe keinen Plan, wer da eigentlich irgendwie das Sagen hat, aber das ist in Ordnung.
Sie haben für die Mitarbeiter ein gemeinsames Abendessen vorbereitet als ich nachmittags dort ankam, Lasagne. Leider nicht für hungrige Hiker.
Es hieß dann, dass es um 17:30 eine Yin Yoga Stunde geben würde, OK warum nicht erstmal ausprobieren und war ja kostenlos. Wie sich dann danach herausgestellt hat, war es heute eine Premiere, weil es Debbys erst Yoga Stunde hier war. Sie gibt zwar schon seit zwei Jahren Yoga Unterricht, ist aber erst seit kurzem auf der Farm. Sie zieht wohl seit ein paar Jahren so durch die Welt und ist nun halt hier, solange es ihr gefällt.
Mit der Zeit wurden es auch immer mehr Leute, die von der Arbeit zurück kamen. Als ich dann mein Essen gekocht habe, war da richtig Betrieb im Gemeinschaftsraum. Die Lasagne in einem großen Gastro Backofen, der jedesmal, wenn er geheizt hat, das Licht etwas gedimmt hat und fünf Leute am Salat vorbereiten.
Ich habe dann auf der Porch auf einer Couch gegessen, weil mir das zu viele Leute waren, dafür hatten mich die Katzen und Hunde gerne oder sie wollten nur meinen Thunfisch…
Als das Essen für die Wwoofer auf dem Tisch stand, wurde es ruhiger und die Sonne ging langsam unter. Sodann Zeit fürs Zelt. Als ich schon in meinem Schlafsack lag, hat auf einmal aus der Richtung der Hofeinfahrt eine Band gespielt oder geprobt. What the Fuck, aber sie waren nicht schlecht und gegen 22:20 haben sie dann auch aufgehört. Ich kann damit meinen Text auch beenden. Und schlafen.

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